Als Mit-Namensgeber für diese Website verdient der Begriff „Flow“ natürlich, in einem der ersten Beiträge etwas näher beleuchtet zu werden 🙂 .

Wenn du wissen willst, was es mit dem Rest der Überschrift zu diesem Artikel („Alles ist im Fluss“) auf sich hat, dann lies dir gerne mein Manifest durch. Dort beschreibe ich auch, wie es zum zweiten Teil des Namens meiner Website (Flowfeather) gekommen ist.

Flow in der Psychologie

In der Psychologie und auch darüber hinaus ist der Begriff Flow durch die Arbeiten des Psychologen und Glücksforschers Mihály Csíkszentmihályi bekannt geworden. Csíkszentmihályi widmete einen Großteil seiner Arbeit der Erforschung des von ihm Flow genannten, ganz speziellen Glücks-Zustandes, den Menschen unter bestimmten Bedingungen bei der Ausübung von Tätigkeiten erleben können und er befasste sich auch ausführlich mit der Frage, wie diese Bedingungen aussehen müssen, damit Menschen solche Flow-Gefühle erleben.

Was ist Flow überhaupt?

Menschen, die bei der Ausübung einer Tätigkeit Flow erleben, konzentrieren sich voll und ganz auf die Aufgabe, die sie gerade erledigen. Sie gehen völlig in der Tätigkeit auf, es gibt keine abschweifenden Gedanken und auch keine Zweifel daran, die notwendigen Fähigkeiten für die ausgeführte Tätigkeit zu besitzen. Das Zeitgefühl verändert sich, man vergisst Raum und Zeit und ist vollständig im Hier und Jetzt.

Sind Menschen so in einer Tätigkeit versunken, kann es zum Erleben von intensiven Glücksgefühlen kommen – das eigentliche Flow-Gefühl.

Viele Sportler kennen dieses Glücksgefühl aus eigener Erfahrung, denn Flow tritt häufig bei sportlicher Betätigung auf. Und tatsächlich waren auch viele der Versuchspersonen, mit denen Csíkszentmihályi bei der Untersuchung des Flow-Zustandes gearbeitet hat, Extremsportler.

Csíkszentmihályi fand in seinen Untersuchungen verschiedene Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit Flow entstehen kann. Allerdings kann man Flow-Zustände – die im englischsprachigen Raum auch häufig als „being in the zone“ bezeichnet werden – nicht erzwingen. Man kann nur günstige Rahmenbedingungen für Flow schaffen. 

Wie Flow entstehen kann

Wie sehen diese Rahmenbedingungen nun aus? Wie muss eine Tätigkeit gestaltet sein, damit bei der Ausübung der Tätigkeit Flow erleben kann?

Nach Csíkszentmihályi muss eine Tätigkeit die folgenden Bedingungen erfüllen, damit Flow entstehen kann:

  • Man muss vollständig in einer Tätigkeit aufgehen und völlig fokussiert auf die Ausübung der Tätigkeit sein.
  • Die Anforderungen, die die Tätigkeit mitbringt, dürfen weder zu hoch, noch zu niedrig sein – es dürfen weder Überforderung noch Langeweile entstehen.
  • Die Tätigkeit muss eine klare Rückmeldung beinhalten, man muss den Handlungserfolg wahrnehmen können.

Csíkszentmihályi betont in seiner Arbeit immer wieder auch die Bedeutung des zweiten Punktes. Um Flow erleben zu können, darf die Aufgabe weder zu einer Unterforderung, noch zu einer Überforderung führen:

Diagramm, dass den Zusammenhang zwischen Anforderungen, Fähigkeiten und Flow-Erleben darstellt

Obwohl Csíkszentmihályi als Vertreter der Positiven Psychologie den Begriff Flow populär gemacht hat, war er nicht der erste, der sich mit der Beschreibung der besonderen Gefühlszustände befasst hat, die mit dem Flow-Gefühl verbunden sind.

Flow in den Spielwissenschaften

Vor allem in Untersuchungen zum Spielverhalten von Menschen taucht das Flow-Gefühl auch schon vor Csíkszentmihályi auf. Dort ist das völlige Aufgehen im Spiel und das Vergessen der Zeit charakteristisch für das Spielen.

Interessant dabei: Schon von Friedirch Schiller ist ein Zitat überliefert, das die Bedeutung des Spielens (und damit des Flow-Gefühls) für das Menschsein betont.

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt,“ – Friedrich Schiller

Und auch schon in der Bibel steht, dass der Mensch werden muss wie die Kinder, wenn er ins Himmelreich einkehren möchte.

Und was machen Kinder am liebsten?

Richtig, spielen!

Flow ist mehr

Bisher hatten wir uns vor allem mit dem von Csíkszentmihályi in der Psychologie beschriebenen Flow-Gefühl befasst.

Ich sehe den Begriff Flow jedoch etwas weitergefasst und genau darum soll es jetzt im Folgenden gehen.

Behalte also beim Lesen im Hinterkopf, dass es jetzt nicht mehr um wissenschaftlich belegte Informationen geht, sondern eher um persönliche Erfahrungen und meine persönliche Sicht auf das Thema Flow.

Eben hatte ich das Zitat von Friedrich Schiller und den Ausspruch in der Bibel über die Bedeutung des Kindseins erwähnt.

Meine Meinung:

Beides zeigt, dass im Flow zu sein, wesentlich für uns Menschen ist und die Voraussetzung dafür ist, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

Und deshalb glaube ich auch nicht, dass das Flow-Gefühl auf Tätigkeiten beschränkt ist, die – wie Csíkszentmihályi es beschrieben hat – bestimmte Voraussetzungen mitbringen. Bei solchen Tätigkeiten fällt es uns einfach leichter, Flow zu erleben.

Wir können aber lernen, insgesamt in unserem Leben mehr im Flow zu sein. Zum Beispiel, indem wir uns bewusst auf die Dinge konzentrieren, die wir gerade machen – genau das ist der Ansatz der Achtsamkeitslehre.

Und damit sind wir wieder beim Thema innere Ruhe.

Wenn ich lerne, in der Ruhe zu bleiben und aus der inneren Mitte heraus zu leben, bin ich automatisch mehr im Flow. Mit dem Leben, mit mir selbst und mit allem, was um mich herum ist.

Was fließt da eigentlich im Flow?

„Flow“ ist englisch für „fließen“. Und da stellt sich natürlich die Frage, was da eigentlich fließt.

Hier kann das Konzept einer universellen Lebensenergie weiterhelfen, eine Idee, die man in vielen Kulturen findet und zu der ich bereits in diesem Artikel etwas geschrieben habe.

Ich glaube, dass es diese Lebensenergie ist, die „fließt“, wenn wir im „Flow“ sind. Flow in diesem Sinne ist ein Ausdruck dafür, dass unsere Lebensenergie frei und ungehindert fließen kann. 

Und das ist – aus meiner Sicht – der Zustand, den Friedrich Schiller in seinem Zitat beschrieben hat: Dann sind wir „ganz Mensch“. Im NLP wird dieser Zustand übrigens als Core State bezeichnet, dazu wird es später noch einmal einen eigenen Artikel geben.

Wichtig: Die Kulturen, die das Konzept der Lebensenergie kennen und nutzen, gehen davon aus, dass das freie Fließen der Lebensenergie die Voraussetzung für Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und Wohlstand ist.

Also alles Dinge, die man mit „ganz Mensch sein“ in Verbindung bringen kann.

Emotion = Energy in Motion

Vom sehr bekannten und erfolgreichen amerikanischen Coach und Author Anthony Robbins stammt ein weiteres Zitat, dass gut in diesen Zusammenhang passt:

„Emotion = Energy in Motion.“ – Anthony Robbins

Unsere Emotionen und Gefühle sind die Antriebsmotoren für unsere Handlungen. Sie bringen uns dazu, bestimmte Dinge zu tun und andere zu lassen.

Und sie stehen in einem sehr engen Zusammenhang mit unserer Lebensenergie.

Emotionen müssen deshalb frei fließen können. Können sie das nicht, zum Beispiel, weil wir bestimmte Emotionen in uns ablehnen, kommt es zu inneren Blockaden und die Lebensenergie gerät ins Stocken.

Das wiederum verursacht vielfältige Probleme in allen möglichen Bereichen unseres Lebens.

Ein konkretes Beispiel:

In meinem Leben gab es einmal eine Zeit, in der ich sehr wütend auf jemanden war, der mir in meinem Augen Unrecht getan hatte.

Die Emotion dahinter habe ich allerdings als negativ empfunden. Deshalb hatte ich Schuldgefühle wegen der Wut in mir, was die Situation noch schlimmer gemacht hat.

Die Wut wurde immer stärker (weil sie blockiert war), die Schulgefühle ebenfalls, und am Ende stand ich völlig neben mir und wusste weder ein noch aus.

Besser wäre es damals gewesen, das Gefühl der Wut erst einmal anzunehmen und die Wut dann (angemessen) zu kanalisieren – zum Beispiel, indem ich das Gespräch mit der betreffenden Person gesucht und deutliche Grenzen gesetzt hätte.

Denn das ist die Aufgabe der Wut: Sie zeigt uns an, wenn unsere Grenzen verletzt werden und liefert die Motivation, Grenzen zu setzen.

Innere Ruhe bedeutet nicht, emotionslos zu sein

Wer in sich ruht, muss deshalb nicht emotionslos alles hinzunehmen, was passiert. Innere Ruhe bedeutet nicht, innerlich starr und reglos zu sein.

Klar: Wenn ich gelernt habe, in mir zu ruhen, werfen mich die Dinge in meinem Leben nicht mehr so schnell aus der Bahn. Ich kann mit Herausforderungen und Stress in meinem Leben besser umgehen, bin resilienter und habe einfach einen besseren Zugang zu meinen Ressourcen.

Ich werde dann weniger unangenehme Emotionen erleben. Ganz verschwinden werden Emotionen wie Wut, Sorge oder Trauer deshalb nicht.

Das wäre auch gar nicht wünschenswert, denn jede Emotion erfüllt ja eine Funktion.

Innere Ruhe bedeutet deshalb auch, die Emotionen so anzunehmen, wie sie entstehen und die Energie dahinter frei fließen zu lassen – auch dann, wenn die Emotionen unangenehm sind (ich benutze lieber den Begriff unangenehme Emotionen statt negative Emotionen).

Dann kann ich dafür sorgen, dass ich die Emotionen auf eine angemessene Art ausdrücke und kanalisiere, so dass sie ihre Funktion erfüllen können. Wenn ich auf diese Weise mit meinen Emotionen und Gefühlen umgehe, lösen sie sich meist sehr schnell wieder auf.

So bleibe ich selbst dann im Flow, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie ich es mir wünsche.

Flow und Intuition

Unsere Intuition, also unser Bauchgefühl, ist wohl eine der am meisten unterschätzen Fähigkeiten, die wir besitzen. Wir sind gewohnt, Entscheidungen rational zu begründen und versuchen, vor wichtigen Entscheidungen das Für und Wider sorgfältig abzuwägen.

Dabei weiß zum Beispiel die Werbeindustrie sehr genau, dass der Entscheidungsprozess meist genau andersherum abläuft: Erst entscheiden wir uns (meist unbewusst) aus dem Bauch heraus für die eine oder die andere Variante, dann sucht unser rationaler Verstand nach logischen Argumenten, die diese Entscheidung rechtfertigen.

Echte Intuition geht aber natürlich weit über das Bauchgefühl beim Shoppen hinaus. Echte Intuition lässt uns instinktiv erfassen, welche Entscheidung für unser Leben die Richtige ist und was wir in er aktuellen Situation tun sollten.

Und: Intuition drückt sich immer über unser Körpergefühl aus. Denn sie hat ihren Sitz im Unterbewusstsein – unserer Körperintelligenz – und deshalb braucht sie unseren Körper als „Sprachrohr“.

Wenn unsere Intuition mit uns spricht, fühlt sich etwas einfach irgendwie „stimmig“ an. Es ist irgednwie „rund“ und verursacht ein angenehmes, leichtes Gefühl.

Wenn wir aber den ganzen Tag gedanklich unsere Probleme hin- und herwälzen, uns Sorgen über die Deadline übermorgen machen und uns dabei alles über den Kopf wächst, vergessen wir meist, dass wir überhaupt einen Körper haben.

Kein Wunder, dass wir in solchen Momenten auch keinen Zugang zu unserer Inution haben.

Wenn ich dagegen in mir ruhe und in meiner inneren Mitte bin, bin ich automatisch mit meinem Körper und damit auch mit meinem Unterbewusstsein als Quelle der Intuition verbunden. Dann spüre ich auch sehr deutlich, was meine Intuition mir sagen will und kann mich entsprechend entscheiden.

Hinterher ist dann immer noch Zeit genug, diese Entscheidungen auch rational zu hinterfragen.

Der Fluss des Lebens

Das I Ging, ein altes, chinesisches Weisheitsbuch, beschreibt in 64 sogenannten Hexagrammen verschiedene „Großwetterlagen“ dessen, was man als den „Fluss des Lebens“ bezeichnen könnte.

Der Gedanke dahinter: Es gibt so etwas, wie eine natürliche Ordnung der Dinge. Gemeint ist damit, dass das Universum insgesamt sich nicht chaotisch mal hierin und mal dorthin entwickelt, sondern dass es sich in eine bestimmte Richtung hin entwickelt.

Stellt sich natürlich die Frage, in welche Richtung.

Die Antwort auf diese Frage, die wir ganz persönlich für uns finden, hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir leben.

Oder wie Albert Einstein es ausdrückt:

„Die wichtigste Entscheidung, die wir treffen, ist ob wir glauben, in einem freundlichen oder feindlichen Universum zu leben.“ – Albert Einstein

In der auf das alte, hawaiianische Wissen über das Leben zurückgehenden Huna-Philosophie geht man davon aus, dass alles im Universum sich hin zu einem Zustand größerer Harmonie entwickelt. Das Universum ist in dieser Sichtweise durchdrungen vom Aloha-Spirit.

Aloha, das „freudige Teilen des Atems in der Gegenwart“ – etwas freier übersetzt mit „Liebe“ – ist die Grundlage von allem im Universum und alles strebt zu dieser Liebe hin.

Wenn man sich dem Gedanken anschließt, dass die Entwicklung des Universums eine Richtung kennt, dann ist es sinnvoll, diese Entwicklung zu kennen und in seinen Entscheidungen zu berücksichtigen.

Mit dem Flow zu gehen und sich nicht gegen den Fluss der Energie im Universum zu stellen.

Wann wir mit unseren Entscheidungen „im Flow“ sind und wann nicht, sagt uns wiederum unsere Intuition. Wenn es sich „stimmig“ anfühlt, folgt unsere Entscheidung dem, was sich natürlicherweise entwickeln will.

Und das nehme ich am besten wahr, wenn ich in mir ruhe und in meiner inneren Mitte bin.

Aus der inneren Ruhe heraus zu leben bedeutet daher auch, wieder in Harmonie mit dem Universum insgesamt und der natürlichen Entwicklung der Dinge zu kommen.

Also alles egal?

Das passt allerdings so gar nicht zu dem, was wir üblicherweise in unserer Gesellschaft leben. „Wer zur Quelle gelangen will, muss gegen den Strom schwimmen“, ist ein Spruch, der mich in meiner Jugend intensiv begleitet hat.

Muss ich also alles hinnehmen, was gerade in der Welt passiert und sollte ich mich zurücklehnen, weil ja alles sowieso seiner „natürlichen Entwicklung“ folgt?

Nein.

Ich glaube, dass aktuell eben nicht alles seiner natürlichen Entwicklung folgt. Wir haben mit unserer auf Widerstand und Konfrontation ausgerichteten Denk- und Lebensweise dafür gesorgt, dass es viele Turbulenzen und Blockaden in diesem natürlichen Fluss des Lebens gibt.

Sowohl in den kleinen, alltäglichen Dingen, die uns ganz persönlich betreffen, wie auch in den großen Dingen, die unseren Planeten als Ganzes betreffen.

Sehr gut beschreibt das der Film „Koyaanisqatsi“ von Godfrey Reggio aus dem Jahre 1982, den ich auch schon in diesem Artikel erwähnt hatte.

Es gibt also jede Menge zu tun, auch und gerade wenn ich dem „natürlichen Fluss des Lebens“ folgen will.

Fazit

Flow ist mehr als das Glücksgefühl, das auftritt, wenn man in bestimmte Tätigkeiten völlig vertieft ist und Zeit und Raum um sich herum vergisst.

Flow entsteht aus einer Grundhaltung zum Leben, die dazu führt, dass man mit der Lebensenergie verbunden ist und diese frei in und durch einen hindurch fließen kann.

Wer auf diese Weise im Flow mit dem Leben ist, ist mit seinem innersten Kern verbunden, ruht in sich selbst, hat Zugang zu seiner Intuition und folgt dem Rhythmus des Lebens.

In diesem Sinne ist Flow Ausdruck einer tiefen, inneren Weisheit über das Leben und die Voraussetzung für Glück, Lebensfreude und ein erfülltes Leben.