Das Lebensrad ist eine tolle Möglichkeit, die eigene Lebensvision Schritt-für-Schritt zu entwickeln und umzusetzen.

Bevor wir uns aber anschauen, was genau das Lebensrad eigentlich ist, lass uns noch kurz überlegen, was alles zur eigenen Lebensvision gehört – denn die betrifft nicht nur die großen Dinge des Lebens, sondern umfasst auch und vor allem die Dinge, die wir jeden Tag machen.

Vor vielen Jahren hat mich meine damalige Freundin einmal gefragt, wie ich mir mein Leben 5 oder 10 Jahre später vorstellen würde. Das war damals so ziemlich das erste Mal, dass ich ernsthaft über so eine Frage nachgedacht habe. Entsprechend dürftig ist meine Antwort auf ihre Frage ausgefallen.

Meine damalige Freundin dagegen hatte eine ziemlich genaue Vorstellung darüber, wie ihr Leben später einmal aussehen sollte. Ein Haus auf dem Land mit einem Bauerngarten. Im Garten ein großer Tisch, damit die vielen Kinder daran Platz nehmen konnten, wenn es am Sonntag ein gemeinsames Frühstück im Garten geben sollte.

Das ist eine Lebensvision.

Wenn wir von einer Vision fürs Leben sprechen, dann denken wir schnell an die ganz großen Dinge. Wie wir die Welt retten können und unseren Beitrag leisten können. Wie wir unserem Seelenplan folgen können und unsere Berufung finden und leben können.

Gerade das Thema Berufung war ja in den letzten Jahren fast schon ein Hype-Thema.

Und klar, auch das ist eine Lebensvision.

Ich glaube aber, dass die Vision vom eigenen Leben schon sehr viel früher beginnt. Im Grunde genommen ist alles, was ich mir von meinem und über mein Leben vorstelle (von dem ich mir ein Bild mache) bereits die Vision meines Lebens.

Denn genau das bedeutet Vision: Sich ein Bild von etwas zu machen bzw. ein Bild von etwas sehen.

Was alles zur Lebensvision gehört

Die eigene Vision vom Leben fängt an mit der Frage, wo und wie ich eigentlich wohnen und arbeiten will und reicht bis hin zur Frage, wie und mit wem ich meinen Tag verbringen will.

Und klar, dann kommen sehr schnell die ersten Bedenken: „Das kann ich mir doch alles nicht aussuchen, ich kann doch froh sein, wenn ich einen Job habe, egal, wohin ich dafür ziehen muss und wann ich dafür aufstehen muss!“.

Solche Bedenken gehören aber nicht zur Lebensvision.

Sich die vielen Gründe auszumalen, warum man die eigene Vision nicht leben kann, darüber kann man sich später noch Gedanken machen, wenn man das möchte.

Aber zuerst geht es darum, sich überhaupt einmal ein Bild davon zu machen, wie das eigene Leben idealerweise aussehen soll.

Dazu gehören Fragen wie:

  • Mit welchen Menschen möchte ich mich umgeben?
  • Wie soll mein Alltag aussehen?
  • Wie viel Geld möchte ich haben?
  • Was will ich außer und neben meinem Beruf noch tun im Leben?
  • Welche Fertigkeiten möchte ich lernen? Will ich ein Instrument spielen? Eine oder mehrere Fremdsprachen sprechen?
  • Was will ich von der Welt sehen?
  • Wo will ich etwas Gutes tun?
  • Wie gesund will ich eigentlich sein?
  • Will ich auch im fortgeschrittenen Alter noch kraftvoll und mit Energie durchs Leben gehen und mein Leben genießen?

Gerade auch über die letzten beiden Fragen sollte man sich Gedanken machen, wenn man die 40 voll hat.

Denn: Während wir in jungen Jahren so einiges relativ unbeschadet wegstecken, wirkt sich unser Lebensstil ab ungefähr 40 immer mehr auf unsere spätere Gesundheit aus.

Lebensvision und Ziele

Die eigene Vision vom Leben hat sehr viel mit den Zielen zu tun, die man für sich im Leben erreichen möchte. Und das ist wichtig, denn ohne Ziele irrt man eben ziellos umher.

„Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind günstig“, sagt der römische Philosoph Seneca passend.

Hinter diesen Zielen stehen die eigenen Werte – das, was wir in unserem Leben als wertvoll betrachten.

Für den Entwurf der eigenen Lebensvision (oder eben der Midlife-Vision) ist es deshalb wichtig, sich Gedanken über die eigenen Werte im Leben zu machen.

Das Lebensrad

Im zweiten Schritt kannst du daraus dann deine ganz persönlichen Lebensziele ableiten und so deine Vision vom Leben entwickeln.

Eine wunderbare Hilfe dafür ist das Lebensrad.

Was ist das Lebensrad?

Das Lebensrad ist eine kreisförmige Darstellung der verschiedenen Lebensbereiche deines Lebens. Neben dem Außenkreis mit den verschiedenen Lebensbereichen, gibt es kleinere Kreise, die die einzelnen Sektoren in Abschnitte einteilen.

Meist findet man bei den Lebensbereichen eine Einteilung in:

  • Gesundheit
  • Beziehung
  • Familie
  • Finanzen
  • Beruf
  • persönliche Entwicklung
  • Spiritualität
  • Freunde

Hier habe ich für dich das Bild mit dem Lebensrad als Pdf-Vorlage verlinkt. Diese Version des Lebensrades enthält noch einige weitere Lebensbereiche. Nutze die Vorlage entweder so für dich oder nimm sie als Anregung für dein eigenes Lebensrad.

Denn letztlich spiegeln die Lebensbereiche des Lebensrads ja deine ganz persönlichen Werte wider. Vielleicht möchtest daher einige der Lebensbereiche in der Vorlage durch andere Bereiche ersetzen, die dir wichtiger erscheinen.

Experimentiere einfach mit der Vorlage und schaffe dir deine ganz persönliche Form des Lebensrads, die sich für dich richtig anfühlt.

Wie du mit dem Lebensrad arbeitest

Das Lebensrad ist ein tolles Werkzeug, um sich klarzumachen, wo man gerade im Leben steht. Ob also das eigene Leben noch in die Richtung verläuft, die man sich eigentlich vorgestellt hatte.

Das kannst du zum Beispiel wunderbar im Rahmen einer Jahresplanung am Ende des alten Jahres machen.

Wenn du das dann in regelmäßigen Abständen wiederholst, hast du mit dem Lebensrad eine tolle Möglichkeit, deine eigene Entwicklung zu verfolgen und so die Vision deines Lebens auch wirklich zu leben.

Wie genau funktioniert das jetzt?

Drucke dir die Vorlage von oben aus oder erstelle dir eine eigene Vorlage (das kannst du auch einfach per Hand oder – wenn es sehr ordentlich aussehen soll – mit einem Zirkel auf einem Blatt Papier erledigen).

Nimm dir eine halbe Stunde Zeit, sorge dafür, dass du in dieser Zeit nicht gestört wirst und schaue dir das Lebensrad vor dir an. Vielleich möchtest du auch noch etwas entspannende oder inspirierende Musik auflegen, so dass du mehr im Flow bist bei dieser Übung.

Jetzt überlege dir für jeden der Lebensbereiche deines Lebensrades, wo du gerade stehst.

Wo auf einer Skala von 1-10 siehst du dich in dem jeweiligen Lebensbereich? Eine 1 bedeutet, dass dieser Lebensbereich in deinem Leben ein absolutes Schattendasein fristet, eine 10 bedeutet, dass du diesen Lebensbereich in deinem Leben bereits voll auslebst.

Jetzt malst du mit einem Stift genau so viele Felder des Sektors des jeweiligen Lebensbereichs aus, wie du als Wert auf der Skala erhalten hast. Wenn du also zum Beispiel den Bereich Finanzen bei einem Wert von 6 in deinem Leben siehst, malst du 6 Felder im Sektor Finanzen auf deinem Lebensrad aus.

Wenn du das für alle Lebensbereiche gemacht hast, erhältst du dein ganz persönliches Lebensrad, das dir anzeigt, wo genau du jetzt in deinem Leben stehst.

Was bringt das Ganze jetzt?

Mit dem Lebensrad siehst du auf den ersten Blick, in welchen Bereichen deines Lebens „Nachholbedarf besteht“.

Du kannst dir vorstellen, dass das eigene Leben nur dann wirklich rund läuft, wenn alle Lebensbereiche deinen Lebens von dir die dafür notwendige Aufmerksamkeit bekommen.

Das Lebensrad wäre sonst schließlich kein Rad, sondern ein eckiges Gebilde. Und eckige Reifen laufen nun einmal nicht rund.

Oft ist es aber so, dass wir uns auf bestimme Bereiche unseres Lebens konzentrieren und darüber die anderen Bereiche vergessen.

Klassisches Beispiel: Der Karrieremensch, der über den beruflichen Erfolg die Beziehung oder die Familie vernachlässigt.

Oder jemand konzentriert sich darauf, so viel Geld wie möglich zu verdienen und vergisst darüber die Sinnfrage und die eigenen Spiritualität – und findet sich dann mit 50 in einer schweren Sinnkrise wieder.

Oder auch andersherum: Der Esoteriker, der vergisst, dass das Leben eben auch eine materielle Komponente hat und das Geld eben auch eine Form von Energie ist, die im Leben frei fließen möchte.

Letztlich geht es wie immer um Balance und Harmonie. Eben darum, die Lebensbereiche in einer ausgewogenen Balance zu halten.

Wenn du auf diese Weise mit dem Lebensrad festgestellt hast, dass bestimmte Lebensbereiche mehr Aufmerksamkeit verdienen, kannst du im nächsten Schritt hingehen und diese Bereiche gezielt stärken.

Indem du dir ganz bewusst Zeit in deiner Wochen- oder Monatsplanung reservierst, um Aktivitäten in diesen Lebensbereichen zu planen.

Vielleicht planst du endlich den Ausflug mit der Familie ein. Oder du nimmst dir vor, dreimal pro Woche einige Seiten in einem inspirierenden Buch zu lesen. Oder du möchtest zweimal pro Woche ein gesundes Essen selbst kochen, anstatt immer nur Fertiggerichte zu essen.

Alle diese kleinen Schritte und Aktivitäten tragen dazu bei, dass dein Lebensrad immer ausgeglichener wird und dass du deine Lebensvision immer weiter entwickeln, verfeinern und umsetzen kannst.

Und genau das ist die Aufgabe des Lebensrads.