Unsere Werte sind wichtige Leitlinien, die unser Handeln und unsere Ziele bestimmen. Hinter jedem Ziel steht ein Wert, den wir mit dem Erreichen des Ziels erfüllen wollen.

Aber was genau sind eigentlich Werte?

Was sind Werte?

Werte kommt von bewerten. Wir bewerten Dinge in unserem Leben als positiv oder negativ. Je öfter wir das machen, desto fester wird der Wert, der sich dadurch bildet – und desto wichtiger wird dieser Wert für uns.

Solche Werte können zum Beispiel sein: Freiheit, Sicherheit, Liebe, Mut, Zuverlässigkeit, Selbstbestimmung, Loyalität, Familie usw.

Grundlage unserer Werte sind unsere Bedürfnisse. Erfüllen wir unsere Werte in unserem Leben, stellen wir dadurch sicher, dass wir die dahinterliegenden Bedürfnisse erfüllen.

Das ist auch der Grund dafür, dass oft diejenigen Werte besonders wichtig für uns sind, deren dahinter liegende Bedürfnisse in unserem Leben nicht erfüllt wurden. Wo wir also ein Mangelerlebnis haben.

So wird für jemanden, der in Unfreiheit aufgewachsen ist, oftmals der Wert Freiheit zu einem sehr wichtigen Wert im Leben. Wer in finanziell schwierigen Verhältnissen aufgewachsen ist, für den werden Geld und die dahinter stehende Sicherheit zu wichtigen Werten.

Viele unserer Werte bilden sich während der Pubertät, andere übernehmen wir von wichtigen Bezugspersonen (allen voran natürlich von unseren Eltern).

Daran kannst du schon erkennen, dass es Werte gibt, die wir aus eigener Überzeugung bilden und andere, die wir übernehmen, obwohl uns vielleicht andere Dinge viel wichtiger sind.

Auch von der Gesellschaft, in der wir leben, übernehmen wir bestimmte Werte. Klassische Beispiele: Die Werte Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, die in Deutschland nach wie vor als Tugenden gelten.

Da unsere Werte so maßgeblich unser Handeln bestimmen, macht es natürlich Sinn, sich mit den eigenen Werten einmal etwas genauer auseinanderzusetzen.

Welche Werte habe ich überhaupt? Und: Sind es überhaupt meine Werte oder habe ich sie irgendwann einmal unbewusst übernommen und halte mich jetzt daran, obwohl ich selbst eigentlich ganz andere Werte wichtig finde?

Das sind Fragen, um die es in diesem Beitrag gehen soll.

Warum du deine Werte kennen solltest

Einen Punkt haben wir schon besprochen: Du solltest deine Werte kennen, damit du unterscheiden kannst zwischen deinen eigenen Werten und denen, die du irgendwann einmal von anderen übernommen hast – und die vielleicht sogar deinen eigenen Werten widersprechen.

Es gibt aber noch einen anderen Grund.

Vorhin hatte ich geschrieben, dass hinter jedem Ziel, das wir erreichen wollen, ein oder mehrere Werte stehen, die wir durch das Erreichen des Ziels erfüllen wollen.

Meist ist uns aber gar nicht klar, welche Werte hinter unseren Zielen stehen. Und das nimmt viel an Umsetzungskraft aus unseren Zielen heraus.

„Know your why“, sagt man im Amerikanischen.

Erst wenn wir wissen, warum wir ein bestimmtes Ziel erreichen wollen, können wir mit voller Kraft an dessen Umsetzung gehen.

Dazu mal ein Beispiel:

Denke einmal an ein Ziel, das du in deinem Leben gerne erreichen möchtest. Vielleicht lautet dein Ziel „Ich möchte Millionär sein“. Dein Ziel kann natürlich auch ganz anders lauten. Nimm einfach irgendein Ziel, das dir gerade in den Sinn kommt und das du für dich erreichen möchtest.

Dann frage dich: Was wird dadurch möglich, wenn ich dieses Ziel erreiche? Im Beispiel oben: Was wird dadurch möglich, dass ich eine Millionen auf dem Konto habe?

In unserem Beispiel könnte dir vielleicht als Antwort in den Sinn kommen, dass du dann nicht mehr arbeiten musst. Frage weiter: Was wird dadurch möglich, dass ich nicht mehr arbeiten muss?

Die Antwort könnte sein, dass du dann nicht mehr jeden morgen früh aufstehen musst und zur Arbeit fahren musst und du den Tag mit deiner Familie verbringen könntest.

Oder du möchtest einfach mehr Zeit für dich selbst haben und genau das wäre dann für dich möglich.

Du siehst, jetzt werden schon einige Werte sichtbar, die hinter deinem Ziel, Millionär zu werden, stehen könnten: Selbstbestimmung, Freiheit, Familie.

Mache diese „Fragerunde“ genauso auch für das Ziel, das du dir für diese Übung ausgesucht hast. Frage solange weiter, bis du das Gefühl hast, an der Wurzel angekommen zu sein. Dann kennst du den Wert bzw. die Werte hinter deinem Ziel.

Mit diesem Wissen kannst du dich nun viel engagierter an die Umsetzung deines Ziels machen. Oder du kannst auch überlegen, ob es andere Möglichkeiten gibt, diesen Wert in deinem Leben zu leben.

In unserem Beispiel:

Vielleicht wirst du zumindest kurz- und mittelfristig kein Millionär sein. Aber du könntest deinen Chef fragen, ob du an einem oder zwei Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten könntest und so den Wert Selbstbestimmtheit teilweise für dich erfüllen könntest.

Oder du überlegst, ob du deine Stelle etwas reduzieren könntest, um mehr Zeit mit deiner Familie zu verbringen oder mehr Zeit für dich zu haben.

Oder – falls das nicht geht – du nimmst dir vor, die Wochenenden als Ausgleich ganz besonders bewusst mit der Familie zu verbringen bzw. die Wochenenden ganz bewusst zu nutzen, um die Dinge zu machen, die dir am Herzen liegen.

Alls das sind Möglichkeiten, die dir vermutlich nicht bewusst geworden wären, wenn du dich nicht vorher mit den Werten hinter deinem Ziel auseinandergesetzt hättest.

Gleicher Wert, unterschiedliche Erfüllungskriterien

Wenn es um die eigenen Werte geht, solltest du dir nicht nur überlegen, welche Werte in deinem Leben eine Rolle spielen, sondern auch, wann du diese Werte als erfüllt betrachtest.

Ist dein Wert Freiheit bereits erfüllt, wenn du an den Wochenenden im nahe gelegenen Wald wandern gehst oder erst, wenn du mit einem Allrad-Wohnmobil die Panamerika entlang fährst?

Und: Während für den einen Freiheit damit zu tun hat, raus zu gehen, fühlt jemand anderes sich vielleicht frei, wenn er in seinem Job Entscheidungsspielraum und Selbstverantwortung besitzt.

Wir sagen, die Erfüllungskriterien des jeweiligen Wertes können unterschiedlich sein.

Ein anderes Beispiel dazu, dass ich in meiner NLP-Ausbildung kennengelernt habe und das die Rolle der Erfüllungskriterien sehr schön verdeutlicht:

In den 1970er Jahren hatten sowohl die Flower-Power Anhängerinnen und Anhänger als auch deren Eltern den Wert „gutes Aussehen“. Aber die Erfüllungskriterien waren völlig anders.

Während die Mütter in dem schicken Kostüm ein Erfüllungskriterium für gutes Aussehen sahen, waren für die Töchter Blumenhemden und Sonnenbrillen die entsprechenden Erfüllungskriterien.

Entsprechend bei den Vätern und deren Söhnen, wo die kurz geschnittene, gut sitzende Frisur einerseits und die lange, wilde Mähne andererseits das Erfüllungskriterium für gutes Aussehen darstellten.

Du siehst, es reicht nicht, sich über die eigenen Werte Gedanken zu machen. Genauso wichtig ist es, sich zu überlegen, wann und wie man die eigenen Werte als erfüllt betrachtet.

Nur so kannst du sicherstellen, dass du die eigenen Werte auch tatsächlich lebst. Und das ist eines der wichtigsten Kriterien für ein glückliches und – im wahrsten Sinne des Wortes – erfülltes Leben.

Das Werte- und Entwicklungsquadrat (Schulz von Thun)

Es gibt unzählige Wertemodelle, die die verschiedenen Werte aufführen und zueinander in Beziehung setzen.

Die meisten dieser Modelle sind für den persönlichen Gebrauch aber zu komplex, deshalb will ich hier nicht näher darauf eingehen – mit einer Ausnahme.

Das Werte- und Entwicklungsquadrat des Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun zeigt nämlich sehr schön die Beziehung von Werten zu ihren sog. Gegenwerten.

Und das kann dir tatsächlich helfen, wenn du dir über deine persönlichen Werte Gedanken machst.

Grundannahme des Wertemodells von Schulz von Thun:

Jeder Wert braucht einen positiven Gegenwert, um seine konstruktive Kraft zu entfalten. Oder andersherum: Ohne seinen positiven Gegenwert wird jeder Wert schnell zu einem starren Prinzip, das das eigene Leben eher einengt als bereichert.

Auch dazu ein Beispiel:

Denke einmal an den Wert Sicherheit. Zunächst einmal klingt das ja nach einem guten Wert. Sicher durchs Leben zu gehen ist schließlich eine positive Sache und den Wert Sicherheit im Leben zu haben, kann daher ja nicht schaden.

Wer allerdings immer nur auf seine Sicherheit bedacht ist, wird sehr schnell übervorsichtig und ängstlich. So jemand ist kaum bereit, ein Risiko einzugehen und schränkt sich und sein Leben immer weiter ein.

Die Folge: Man bleibt immer in der eigenen Komfortzone – denn die kennt man und die vermittelt die Sicherheit, die man für sein Leben erreichen möchte.

Was fehlt, ist der positive Gegenwert zur Sicherheit, die Risikobereitschaft. Erst wenn der Wert Sicherheit durch den Wert Risikobereitschaft ergänzt wird, entsteht ein Spannungsfeld, in dem beide Werte zusammen das eigene Leben tatsächlich bereichern können.

Hier habe ich einmal das Schaubild aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel für dich (Quelle: SvT-Institut: Schaubild Werte- und Entwicklungsquadrat nach Schulz von Thun, CC BY 3.0)

Werte - Das Werte- und Entwicklungsquadrat nach Schulz von Thun

Schulz von Thun spricht von Tugenden, gemeint sind hier aber die Werte. Zuviel des Wertes Sicherheit wird zur Untugend infolge der Übertreibung – es entsteht die Übervorsichtigkeit, von der ich geprochen habe.

Der Gegenwert Risikobereitschaft wird bei Übertreibung zum Leichtsinn. Dieser sollte sich in Richtung Sicherheit entwicken (die diagonalen Pfeile „Entwicklungsrichtung“ im Diagramm), damit der Ursprungswert Sicherheit wieder gestärkt wird.

Erst die Integration beider Werte führt zu einem positiven Einfluss auf das eigene Leben (der Regenbogen im Diagramm).

Probiere einmal, das Werte- und Entwicklungsquadrat für Wertepaare aus deinem Leben anzuwenden. Du wirst überrascht sein, wie viele Erkenntnisse du daraus gewinnen kannst.

Werte als Kraftquelle

Wenn wir in eine Situation kommen, in der zwei unterschiedliche Werte eine Rolle spielen, die wir aber nicht gleichzeitig erfüllen können, geraten wir in einen Wertekonflikt.

Stell dir vor, du hast den Wert Sicherheit in deinem Leben. Gleichzeitig spielt der Wert Familie für dich eine wichtige Rolle.

Du bist in deinem Job erfolgreich, hast aber das Gefühl, dass ein bestimmter Kollege deine Stelle gerne hätte und sich deshalb in seiner Arbeit besonders profiliert.

Um deine Position in der Firma nicht zu gefährden und so deinen Wert Sicherheit weiter erfüllen zu können, engagierst du dich nun besonders in deinem Job. Vielleicht übernimmst du zusätzliche Projekte, machst Überstunden oder nimmst zusätzliche Funktionen im Betriebsablauf war.

Alles, um deinem Chef klarzumachen, dass du der richtige Mitarbeiter in deiner aktuellen Position bist.

Das Problem:

Dein Wert Familie gerät dadurch gleichzeitig mehr und mehr in den Hintergrund. Du fühlst dich hin- und hergerissen zwischen den Werten Familie und Sicherheit.

Du bist in einem Wertekonflikt.

Solche Wertekonflikte führen dazu, dass wir uns innerlich zerrissen fühlen, wodurch viel Energie verloren geht. Auf Dauer fühlen wir uns dann erschöpft und kraftlos.

Das Ziel muss also sein, dass wir im Einklang mit unseren Werten leben. Dann sind wir in unserer Mitte, weil wir eben nicht hin- und hergerissen sind, haben Zugang zu unserer Energie und gehen kraftvoll durch den Tag.

Allerdings:

Einfach ist das nicht immer. Es wird aber zumindest einfacher, wenn uns ein solcher Wertekonflikt überhaupt erst einmal bewusst ist. Solange wir nur merken, dass wir energielos durchs Leben gehen, ohne den Grund dafür zu kennen, können wir nicht darauf reagieren.

Wenn wir den dahinter stehenden Wertekonflikt kennen, können wir zum Beispiel überlegen, ob wir die Rangfolge unserer Werte vielleicht für uns neu festlegen wollen.

Im Beispiel oben:

Vielleicht überlegst du in dieser Situation, dass dir der Wert Familie wichtiger ist als der Wert Sicherheit und besprichst die Situation offen und ehrlich mit deiner Familie.

Das wäre zumindest schon Mal ein guter Anfang.

Praktische Wertearbeit

Nachdem wir jetzt viel über die theoretischen Hintergründe von Werten und deren Bedeutung für ein erfülltes Leben gesprochen haben, lass und jetzt das Ganze einmal praktisch angehen.

Nimm dir für diese Übung ca. eine halbe bis eine Stunde Zeit und sorge dafür, dass du in dieser Zeit nicht abgelenkt wirst. Am besten schaltest du Telefon und Handy aus.

Wenn du willst, kannst du dir ein wenig inspirierende Musik auflegen oder du bleibst für diese Übung in der Stille. Vielleicht möchtest du für diese Übung auch raus in die Natur gehen, denn dort haben wir einen besonders guten Zugang zu unserer Intuition und unserem Inneren.

Mache das so, wie es sich für dich stimmig anfühlt.

Nimm dir ein Blatt Papier, ein Notizbuch oder notiere deine Gedanken in einem Word-Dokument oder einer Notiz-App.

Dann gehe in dich und frage dich selbst, welche Werte für dich wichtig sind und in deinem Leben eine Rolle spielen.

Mache diese Übung am besten in mehreren Durchläufen, jeweils getrennt für deine privaten und deine beruflichen Werte, denn unsere Werte sind kontextabhängig: Was für dich im Beruf wichtig ist, muss nicht zwangsläufig auch im Privatleben die gleiche Wichtigkeit haben.

Schreibe alles auf, was dir an Werten durch den Kopf schießt.

Bewerte an dieser Stelle noch nichts, sondern notiere alle Werte, die dir einfallen, untereinander, so dass du am Ende dieser Übung eine mehr weniger umfangreiche Liste hast.

Falls dir keine Werte einfallen, frage dich einfach

  • Wofür gibst du in deinem Leben Geld aus?
  • Wofür investierst du in deinem Leben Zeit und Energie?

Dann frage dich, welche Werte stehen jeweils hinter deinen Antworten.

Eigener oder fremder Wert?

Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, die eigenen Werten von den übernommenen Werten zu trennen. Natürlich kann auch ein übernommener Wert zu einem eigenen Wert werden.

Hier geht es jetzt aber darum, die Werte zu identifizieren, die nicht oder nicht mehr zum eigenen Leben gehören und diese von der Liste zu streichen.

Gehe dafür jeden Wert deine Liste durch und stell dir bei jedem Wert die Frage: „Eigener Wert oder übernommen?“.

Gehe an diese Aufgabe so intuitiv wie möglich heran und achte darauf, welches Gefühl spontan als Antwort auf diese Frage in dir entsteht.

Streiche die Werte von deiner Liste, die nicht deine eigenen Werte sind.

Du brauchst keine Angst haben, dass du versehentlich einen Wert streichst, der eigentlich doch zu dir gehört. Du kannst diese Übung jederzeit wiederholen, dir geht also kein Wert „verloren“.

Wenn du auf diese Weise deine Liste auf deine eigenen Werte reduziert hast, kommt der nächste Schritt: Die eigenen Werte sortieren.

Werte sortieren

Als nächstes solltest du deine Werte nach ihrer Wichtigkeit sortieren. Nicht jeder Wert ist für uns schließlich gleich wichtig.

Sich Klarheit darüber zu verschaffen, welche Werte uns besonders wichtig sind, kann verhindern, dass wir in einen Wertekonflikt geraten und trägt damit dazu bei, dass wir uns innerlich ganz und in unserer Mitte fühlen.

Nimm dir die ersten beiden Werte deiner Liste vor und überlege, welcher der beiden Werte dir wichtiger ist. Dieser Wert kommt nach oben auf die Liste, der andere Wert darunter.

Falls du keine Idee hast, welcher Wert für dich wichtiger ist, kannst du folgendes Gedankenexperiment machen:

Stelle dir eine Situation vor, in der der eine Wert zu 100% erfüllt ist, während der andere Wert zu 0% erfüllt ist. Dann stelle dir die Situation genau andersherum vor. Der eine Wert ist jetzt zu 0% erfüllt, der andere zu 100%.

Welche der beiden Situationen wäre für dich eher akzeptabel? Das ist für dich der wichtigere Wert.

Ein Beispiel dazu.

Stelle dir vor, du hast die beiden Werte Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Nun gehst du mit Freunden im Restaurant etwas essen. Nach dem Essen fragt der Kellner, ob alles in Ordnung war.

Faktisch gesehen war es das, aber so richtig geschmeckt hat es dir auch nicht.

Solltest du das dem Kellner sagen oder solltest du darüber hinweg gehen – denn „handwerklich“ war mit dem Essen ja alles in Ordnung.

Jetzt stelle dir einfach vor, wie du überschwänglich – und völlig unehrlich – das Essen über alle Maßen lobst (0% Ehrlichkeit) und dabei sehr freundlich bist (100% Freundlichkeit). Dann stelle dir vor, wie du dem Kellner ganz genau erzählst, was dir alles am Essen nicht geschmeckt hat (100% Ehrlichkeit), dabei aber sehr unfreundlich zu dem Kellner bist (0% Freundlichkeit).

Welcher der beiden fiktiven Situationen fühlt sich für dich eher akzeptabel an? Der dahinter stehende Wert ist für dich der wichtigere Wert.

Sortiere auf diese Weise die Werte auf deiner Liste nach ihrer Wichtigkeit.

Die Wertelinie

Das Aufstellen einer Wertelinie ist eine Technik aus dem NLP (das Neurolinguistische Programmieren). Dabei geht es darum, die bildhaften Repräsentationen zu den Werten in eine gedachte Reihenfolge zu bringen.

Klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Stelle dir einfach zu jedem Wert auf deiner Liste ein Bild vor. Schau einfach, welches innere Bild spontan in deinem Kopf entsteht, wenn du an den ersten Wert auf deiner Liste denkst.

Wo siehst du dieses innere Bild? Eher vor, hinter oder seitlich von dir? Eher oberhalb oder unterhalb deiner Sehachse?

Notiere dir dir Position des Bildes neben dem Wert auf deiner Liste.

Verfahre so mit allen Werten deiner Liste. Anschließend verbindest du gedanklich alle Bilder mit einer gedachten Linie. Das ist deine Wertelinie.

Was bringt dir nun diese Wertelinie?

Sie ermöglicht es dir, mit deinen Werten zu experimentieren. Denn: Je nach Wichtigkeit des Wertes für dich, variiert auch die Position des dazugehörigen Bildes in deiner Wertelinie.

Unser Gehirn „codiert“ sozusagen die Wichtigkeit des Wertes in der räumlichen Position des dazugehörigen inneren Bildes.

Während das bloße Tauschen der Reihenfolge der Werte auf deiner Liste aber eher rational erfolgt und dafür sorgt, ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der verschiedenen Werte zu entwickeln, veränderst du bei der Arbeit mit der Wertelinie die Wichtigkeit der Werte auch auf einer tieferen Ebene.

Das kannst du nutzen, um die Wichtigkeit deiner Werte für dich so zu verändern, dass die ganze Sache anschließend für dich stimmiger ist und sich besser für dich anfühlt.

Denn wir übernehmen nicht nur Werte an sich von anderen, sondern auch die Wichtigkeit, die wir bestimmten Werten in unserem Leben einräumen. Und manchmal entspricht das eben nicht dem, was wir selbst diesen Werten an Wichtigkeit in unserem Leben einräumen würden.

Mit der Wertelinie experimentieren

Denke einmal an die ersten beiden Werte auf deiner Liste. Wo waren die dazugehörigen inneren Bilder?

Vertausche jetzt einfach die Positionen dieser inneren Bilder. Rücke gedanklich das innere Bildes des zweiten Wertes an die Position des inneren Bildes des ersten Wertes und umgekehrt.

Versuche auch einmal, den Abstand der Bilder voneinander zu verändern.

Lass die neuen Positionen und den Abstand etwas auf dich wirken. Was macht das mit dir? Wie fühlen sich die neuen Positionen für dich an?

Falls sich die neuen Positionen und der neue Abstand der Bilder besser anfühlen, lasse sie so. Falls nicht, tausche die Positionen wieder zurück und verändere den Abstand der zu den Werten gehörenden inneren Bilder wieder so, wie er vorher war.

Wenn du die Übung noch intensivieren möchtest, überlege dir zusätzlich einen Grund dafür, warum die jeweiligen Bilder an der neuen (oder alten) Position stehen sollten.

Gehe auf diese Weise alle (oder zumindest die wichtigsten) Werte deiner Liste durch.

Am Ende erhältst du eine neue Wertelinie, die deinen Wertvorstellungen viel besser entspricht und die dir zukünftig als wichtiger Orientierungs- und Entscheidungsrahmen zur Verfügung steht.

Die eigenen Werte leben

Die ganze Auseinandersetzung mit den eigenen Werten nützt natürlich wenig, wenn wir unsere Werte gar nicht leben. Wer ständig gegen die eigenen Werte verstößt, lebt ständig in einem Gewissenskonflikt.

Auf Dauer ist das natürlich nicht gut und führt dazu, dass wir innerlich zerrissen und angespannt durchs Leben gehen.

Du solltest dir deshalb am Ende der Übung mit deinen Werten für jeden Wert auch überlegen, wie sehr du ihn eigentlich in deinem Leben lebst.

Gehe dazu noch einmal deine Liste durch und überlege bei jedem Wert, wie sehr du ihn auf einer Skala von 1 bis 10 lebst. Eine 1 bedeutet, dass du den Wert gar nicht lebst, eine 10 bedeutet, dass du den Wert in deinem Leben voll auslebst.

Nimm den Wert, der dir spontan in den Kopf kommt und schreibe ihn neben den Wert auf deiner Liste.

Gerade auch bei den wichtigen Werten solltest du darauf achten, dass sie in deinem Leben auch praktisch eine Rolle spielen.

Falls du bei dieser Übung erkennst, dass du den Wert nicht oder nur sehr wenig in deinem Leben lebst, mache dir deshalb keine Vorwürfe. Nimm dieses Ergebnis dann einfach zum Anlass, es in Zukunft besser zu machen.

Eine gute Möglichkeit dazu ist übrigens, am Ende eines Jahres oder zu Beginn einen neuen Jahres eine Jahresplanung zu machen, in der du dir Gedanken über die wichtigsten Ziele machst, die du im neuen Jahr erreichen und umsetzen möchtest.

Im Rahmen einer solchen Jahresplanung kannst du dir überlegen, wie du die Werte, die du bisher noch nicht wirklich lebst, in Zukunft besser in dein Leben integrieren kannst.

Oder du arbeitest regelmäßig mit dem Lebensrad – einem weiteren Tool, wenn es um die Arbeit mit den eigenen Werten geht, das sich auf die wesentlichen Werte im eigene Leben konzentriert und sehr anschaulich zeigt, wo man gerade im Leben steht.

Wenn du richtig intensiv mit deinen Werten arbeiten möchtest, kannst du auch für jeden der Bereiche des Lebensrades eine Liste mit Werten wie oben beschrieben anfertigen und anschließend mit dieser Liste die Übungen zur Wertearbeit machen.

Fazit

Werte sind wichtige Orientierungsrahmen in unserem Leben, die uns helfen, die (für uns) richtigen Entscheidungen zu treffen und insgesamt im Einklang mit uns selbst zu leben.

Gleichzeitig sind Werte die Motivationsgrundlage hinter unseren Zielen und helfen uns nicht nur dabei, die richtigen Ziele für unser Leben auszuwählen, sondern auch, die zum Erreichen dieser Ziele notwendige Ausdauer und Einsatzbereitschaft zu finden.

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten ist daher ein wichtiger Schritt, wenn es darum geht, das eigene Leben bewusst zu gestalten und eine eigene Lebensvision zu finden und zu leben.