Teil 1 – Was ist Natur und warum brauchen wir die Natur?

Hier bei Flowfeather geht es um die Natur. Darum, wie du dich wieder mit der Kraft und der Energie der Natur verbindest. Und darum, welche positiven Auswirkungen eine solche Verbindung auf unsere Gesundheit, unsere Psyche und unser gesamten Wohlbefinden bis hin zu unserer Spiritualität – dem Platz im Großen Ganzen – haben kann.

Nur, was wenn es kaum noch Natur gibt, mit der man sich verbinden kann?

Vor dem Problem stehen zum Beispiel viele Menschen, die in der Stadt wohnen. Welche Möglichkeiten du dann hast, habe ich in diesem Artikel näher beleuchtet.

Aber was, wenn das Problem ein ganzes Land betrifft – zum Beispiel, weil es kaum noch ursprüngliche Wälder, wilde Flüsse oder unberührte Küsten in einem Land gibt – so wie es bei uns in Deutschland leider der Fall ist?

Wie kannst du dann dein Verbindung zur Natur vertiefen, um inspirierter, entspannter und mit mehr Flow durchs Leben zu gehen?

Genau darum soll es in diesem und dem folgenden Artikel gehen.

Eigentlich hatte ich geplant, nur einen einzigen Artikel über dieses Thema zu schreiben. Der ist aber mittlerweile schon so umfangreich geworden, dass ich mich dazu entschieden habe, die Inhalte auf zwei Artikel aufzuteilen.

Im ersten Teil, den du gerade liest, schauen wir uns an, was Natur überhaupt ist und warum ich der Meinung bin, dass wir unbedingt ursprüngliche Natur um uns herum brauchen, um uns wirklich gut zu fühlen.

Im zweiten Teil schauen wir uns dann an, wie die Situation bei uns in Deutschland ist und wie wir trotz der ausgeprägten Kulturlandschaften um uns herum die Verbindung zur “richtigen” Natur vertiefen können.

Lass uns anfangen mit der Frage, was Natur eigentlich ist (und was sie nicht ist).

Was ist Natur?

Die Frage klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas banal. Natur? Ist doch klar, das sind die Wälder, die Flüsse und natürlich die Berge. Und die Tiere, die dort leben.

All das ist die Natur. Wo liegt das Problem?

So, oder so ähnlich könnte man die Frage beantworten. Und genau das ist auch der Blick, den die meisten von uns auf die Natur haben.

Aber stimmt das eigentlich? Ist die Frage, was Natur ist, tatsächlich so leicht zu beantworten?

Oder steckt vielleicht mehr dahinter?

Stadt, Land, Fluss – alles Natur, oder was?

Wenn wir von der Natur sprechen, dann passiert das häufig ganz unbewusst aus dem Gedanken heraus, dass es auf der einen Seite uns Menschen und unsere Zivilisation gibt, auf der anderen Seite die Natur.

Wir müssen die Natur schützen, weil sie ja auch irgendwie ihre Berechtigung hat. Und je nachdem, wie sehr wir uns in unseren eigenen Bedürfnissen dadurch eingeschränkt fühlen, sind wir manchmal für mehr Naturschutz und manchmal für weniger.

Diese Sichtweise greift meiner Ansicht nach viel zu kurz.

Als ich noch im Biologie-Studium war, habe ich einmal einen Aufsatz von einigen Biologen gelesen (an die Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern), die eine für mich damals radikal wirkende Ansicht vertraten:

Die Biologen schrieben in diesem Aufsatz, dass die Städte, Wolkenkratzer, Autobahnkreuze und die zubetonierten Parkplätze vor riesigen Einkaufs-Malls, dass all das genauso Natur sei, wie die Termitenbauten der Termiten in der afrikanischen Steppe oder die Burgen der Biber in Nordamerika.

Ich konnte mich damals mit dem Gedanken nicht anfreunden. Mittlerweile sehe ich das allerdings anders.

Biologisch betrachtet ist der Mensch eine Säugetierart unter vielen.

Klar, wir unterscheiden uns von anderen Arten durch ein relativ ausgeprägtes Denkvermögen (neue Forschungen legen allerdings nahe, dass auch viele andere Arten zu recht außergewöhnlichen Denkleistungen fähig sind).

Im Grunde genommen sind wir eben auch “nur” eine weitere im Laufe der Evolution entstandene Art.

Wusstest du zum Beispiel, dass bis zu 99% unserer Gene identisch mit denen von Schimpansen sind?

Ein Biber sitzt auf einem Baumstamm im Wasser, im Hintergrund die Stadt.

Der Damm eines Bibers, die Bauten der Termiten und die Häuser der Menschen, alles Natur?

Und damit sind wir genauso Natur, wie ein Löwe, ein Kaninchen, ein Baum oder eben die Termiten in Afrika. Und alles, was wir bauen und herstellen ist daher ebenso ein Teil der Natur – genau so, wie die Dämme der Biber oder die Bauten der Termiten.

“Und alles, was wir bauen und herstellen ist daher ebenso ein Teil der Natur – genau so, wie die Dämme der Biber oder die Bauten der Termiten.”

Klingt erst einmal radikal, denn dann brauchen wir uns eigentlich ja gar keine Gedanken mehr um das Thema Naturschutz zu machen, schließlich ist ja jede Autobahn auch irgendwie Natur, oder?

Tatsächlich ist die Ansicht, dass alles, was wir bauen und herstellen und eben auch wir selbst ein Teil der Natur ist, aber sogar die Voraussetzung dafür, wirklich achtsam und verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen.

Die hawaiianische Huna-Philosophie geht übrigens sogar noch einen Schritt weiter: Huna betrachtet alles in diesem Universum als Natur, vom kleinsten Atom in einem Wassertropfen im Ozean, über die Nadeln eines riesigen Mammutbaums, die Häuser und Straßen der Menschen bis hin zu den entferntesten Galaxien.

Alle Materie, alles Greifbare ist Ausdruck eines unendlichen, intelligenten Bewusstseins und ist im Sinne dieser Lebensphilosophie “Natur”.

Wir sind Natur

Wenn wir endlich begreifen, dass wir Natur sind, und nicht außerhalb der Natur stehen, dann sind wir hoffentlich eher dazu bereit, die Natur zu schützen.

Denn die Natur zu schützen, bedeutet dann eben auch, uns selbst zu schützen.

Es bedeutet, dass wir uns selbst vor den negativen Auswirkungen unseres eigenen Handelns schützen.

“Wir sägen nicht den Ast ab, auf dem wir sitzen. Wir sägen den Ast ab, der wir sind”, sagt der Biologie und Philosoph Andreas Weber in diesem Beitrag, den ich bereits an anderer Stelle einmal zitiert hatte.

Die Natur ist so viel größer als wir Menschen, dass sie immer einen Weg finden wird, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Die Frage ist nur, ob sie das mit oder ohne uns Menschen machen wird (leider betrifft unser Handeln auch Tausende anderer Arten, die ebenfalls darunter leiden).

Das gleiche gilt übrigens für den Klimaschutz.

Dem Klima ist es vermutlich ziemlich egal, ob es 2 oder 3 Grad wärmer ist. Was wir schützen, ist nicht das Klima, sondern unsere eigene Lebensgrundlage.

Die Autobahnen, Hochhäuser und andere menschliche Bauwerke als Teil der Natur zu sehen und vor allem uns selbst als Teil der Natur zu sehen, lässt uns diese Zusammenhänge erst erkennen.

Es lässt uns erkennen, dass wir ohne Natur nicht überlebensfähig sind – weil wir ein Teil von ihr sind.

Die zwei Seiten der Natur

Trotzdem sprechen wir natürlich von “der Natur” und ich mache das hier bei Flowfeather ja auch nicht anders.

Wie passt das zusammen?

Dazu müssen wir den Begriff der Natur nur ein wenig anders interpretieren: Natur ist nicht das Gegenüber zu uns Menschen, Natur in diesem Sinne ist einfach nur der Teil der gesamten Natur, in dem wir Menschen keinen oder nur wenig Einfluss ausüben.

Die “unberührte Natur”, die Wildnis – das, was viele im Kopf haben (mich eingeschlossen), wenn sie an Länder und Gegenden wie Kanada, Alaska, Neuseeland oder auch Norwegen denken.

Es gibt also zwei Seiten der Natur:

Einmal den Teil, in dem der Einfluss von uns Menschen deutlich erkennbar ist und dann den Bereich der Natur, wo wir diesen Einfluss nur wenig oder gar nicht spüren.

Beides ist Natur – und beide Seiten sind wichtig für uns.

Warum Städte und Autobahnen wichtig sind, ist den meisten vermutlich sofort klar. Aber warum ist eigentlich der andere Teil der Natur – die “unberührte” Natur – so wichtig für uns?

Darum soll es in den nächsten Abschnitten gehen.

Wenn ich im Folgenden also von “der Natur” spreche, dann meine ich diese unberührte Natur, die Wildnis abseits vom Einfluss der Zivilisation.

Warum wir die Natur brauchen

Es gibt viele Gründe, warum wir die Natur brauchen. Und eine Reihe davon habe ich bereits auf dieser Seite beschrieben.

Ich möchte hier aber noch darüber hinausgehen und einige weitere Aspekte beschreiben, warum wir die Natur brauchen und unbedingt dafür sorgen sollten, Areale mit unberührter Natur und Wildnis zu erhalten bzw. ihr Entstehen neu zu ermöglichen – gerade auch hier bei uns im hochindustrialisierten Deutschland.

Natur als Lebensgrundlage

Das ökologische Netz, das Zusammenwirken der Gesamtheit aller Arten in einem Lebensraum, trägt auch uns Menschen.

Stell dir vor, dass jede Tier- und Pflanzenart einen Knotenpunkt in diesem Netz darstellt.

Stirbt eine Art aus oder nimmt ihr Bestand dramatisch ab, verschwindet dieser Knotenpunkt in dem Netz.

Bei zwei oder drei fehlenden Punkten ist das kein Problem. Wahrscheinlich auch nicht, wenn es ein- oder zweihundert solcher Knotenpunkte betrifft (gemessen an der Größe dieses ökologischen Netzes, wird es vermutlich seine Gesamtfunktion noch irgendwie erfüllen können).

Aber was ist, wenn Tausende dieser Knotenpunkte in diesem Netz verschwinden – also Tausende Arten verschwinden, weil sie keinen geeigneten Lebensraum mehr haben? Irgendwann verliert das ökologische Netz seine Tragfähigkeit – und kann dann auch uns Menschen nicht mehr tragen.

Flowfeather Feather, single

“Humankind has not woven the web of life. We are but one thread within it. Whatever we do to the web, we do to ourselves. All things are bound together. All things connect.”

Chief Seattle, 1854

“Die Menschheit hat das Netz des Lebens nicht gewoben. Wir sind nur ein Faden darin. Was auch immer wir dem Netz antun, tun wir uns selbst an. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Alle Dinge verbinden sich miteinander.”

Häuptling Seattle, 1854

Und dieser Situation nähern wir uns: Wir erleben aktuell eines der größten Artensterben der Geschichte (nicht unserer Geschichte wohlgemerkt, sondern der Erdgeschichte!).

Fokus online berichtet in diesem Artikel, dass weltweit 1/5 aller Arten vom Aussterben bedroht ist. In Europa gehen die Forscher davon aus, dass knapp 3000 Arten bedroht sind, weltweit schätzen sie die Anzahl sogar auf zwei Millionen Arten!

Welche Auswirkungen das haben kann, kann man aktuell zum Beispiel in China beobachten. Dort müssen die Bauern in Sichuan die Obstbäume per Hand mit kleinen Pinseln bestäuben, weil es nicht mehr genug Bienen gibt, die normalerweise diese Aufgabe erledigen.

Interessant dabei: Forschungen haben ergeben, dass Früchte von Pflanzen, die von Bienen bestäubt wurden, im Durchschnitt größer, schwerer und länger haltbar waren.

Der NABU berichtet, dass 91 von 107 weltweit angebauten Kulturarten in unterschiedlichem Ausmaß von der Bestäubung durch Insekten abhängig ist. Experten schätzen, dass ohne die Bestäubung durch die Insekten die Ernteerträge um 90 % (!) zurückgehen würden.

Bienen und andere Insekten, die unsere Pflanzen bestäuben, sind daher für uns überlebenswichtig – im wahrsten Sinne des Wortes.

Deren Überleben (und damit unseres) hängt aber von einer zumindest einigermaßen intakten Naturlandschaft ab. Diese Erkenntnis zu vermitteln, ist eine der Aufgaben der Stiftung “Deutschland summt”.

Aber die Bestäubung von Pflanzen zur Lebensmittelproduktion ist bei weitem nicht der einzige Bereich, in dem deutlich wird, wie sehr wir von intakten Ökosystemen abhängig sind.

Weitere Beispiele sind:

  • Überfischung der Meere und Rückgang der Korallen:
    Beides hat zu einem massiven Rückgang der Fischbestände weltweit geführt, von denen wir abhängig sind – direkt als Nahrung und Eiweißlieferant oder indirekt in Form von Fischmehl, das an unsere Nutztiere verfüttert wird (über den Sinn und Unsinn dahinter könnte man einen eigenen Artikel schreiben).
  • Die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser:
    Viele Studien belegen mittlerweile die Rolle von Wäldern bei der Versorgung mit Trinkwasser. Wälder haben nicht nur eine Filterfunktion, die dafür sorgt, dass unser Trinkwasser sich immer wieder selbst reinigt, sie spielen auch eine überaus wichtige Rolle im Wasserkreislauf, da sie extrem viel Wasser aus dem Boden über die Blätter verdunsten und so für ausreichend Niederschläge sorgen. Diese Rolle können aber nur intakte Wälder wahrnehmen.
  • Klimaschutz:
    Eine ähnlich wichtige Rolle spielen Wälder auch beim Klimaschutz (bei dem es ja wie erwähnt nicht darum geht, das Klima zu schützen, sondern unsere Lebensgrundlagen). Außer den Wäldern sind es vor allem auch die Ozeane, und dort die in den Ozeanen lebenden Grünalgenpopulationen, die für das Klima enorm wichtig sind – und die intakte und saubere Meeren benötigen. 
  • Das Aussterben von angepassten Arten in bestimmten Nischen innerhalb von Ökosystemen macht Platz für andere Arten, die häufig Krankheitserreger übertragen können.
  • Die Ausrottung großer Beutegreifer wie Wolf und Bär in Mitteleuropa hat zu einem sprunghaften Anstieg der Reh- und Wildschweinpopulationen geführt, die zwar bejagd werden, aber sich trotzdem so weit ausgebreitet haben, dass sie flächendeckend die Wälder schädigen und so deren Funktion beeinträchtigen.

Gerade der letzte Punkt ist bei uns in Deutschland mit der Rückkehr der Wölfe ja ein “Hot Topic”, also ein Brennpunktthema.

Als ich in den 1990er Jahren in den USA war, waren dort gerade Wölfe im Yellowstone Nationalpark wieder angesiedelt worden. Ich hatte zu der Zeit ein Praktikum im Wolf Park, Battle Ground gemacht, der die Wiederansiedelung wissenschaftlich betreut hatte.

Ein weißer Wolf steht neben einem Teich im Yellowstone Nationalpark, USA.

Wolf im Yellowstone Nationalpark, USA

Einige Jahre nach der Wiederansiedelung stellten die Wissenschaftler bemerkenswerte Veränderungen im Yellowstone Nationalpark fest:

Die Hirsche, Rehe und Elche, die ohne die Wölfe die jungen Bäume an den Flussläufen abgefressen hatten, zogen sich tiefer in die Wälder zurück.

Dadurch wuchst die Ufervegetation heran. Das bot Nistmöglichkeiten für Vögel, die an die Flussläufe zurückkehrten.

Gleichzeitig boten die wachsenden Bäume neuen Lebensraum für Biber, die ebenfalls in den Park zurückkehrten.

Die Biber bauten Dämme, die die Flussläufe veränderten und stehende Gewässer entstehen ließen.

Durch die verringerte Fließgeschwindigkeit siedelten sich neue Fischarten an. Die stehenden Gewässer führten zu einem Anstieg der Insektenpopulation, die wiederum als Bestäuber einer Vielzahl von Blütenpflanzen dazu beitrugen, dass die Flussufer in allen Farben erstrahlten.

Daneben hatte die Rückkehr der Wölfe noch eine Vielzahl anderer positiver Auswirkungen (dazu gibt es einen interessanten Artikel von Spektrum der Wissenschaft als pdf-Download). Vielleicht auch ein Argument dafür, die Rückkehr der Wölfe in Deutschland mit anderen Augen zu sehen?

Fazit:

Natur ist nicht einfach nur Kulisse für schöne Wanderungen am Wochenende. Natur ist essentiell für unser Überleben, wir brauchen die Natur. Gerade die ursprüngliche, “wilde” Natur ist dabei extrem wichtig, denn sie dient als “Puffer” zum Schutz von Arten und Ökosystemen vor den negativen Folgen menschlichen Handelns.

Natur und Gesundheit

Viele Studien belegen mittlerweile die positiven Auswirkungen der Natur auf uns Menschen. Waldbaden (Shinrin-yoku) wurde sogar genau aus dieser Überlegung heraus in den 1980er Jahren vom damaligen japanischen Gesundheitsministerium als Maßnahme zur Gesundheitsprophylaxe “erfunden”.

So konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden, dass Waldbaden sich positiv auf den Blutdruck auswirken, die Konzentration von Stresshormonen im Blut senken und das Immunsystem aktivieren kann (auf dieser Seite habe ich dir einige der Studien verlinkt).

Eine Forschungspaper aus dem Jahr 2021 diskutiert die aktuelle Forschungslage und kommt zu dem Schluss, dass der Kontakt mit der Natur sich nicht nur positiv auf die körperliche, sondern auch auf die mentale Gesundheit auswirken kann.

So verbesserte der Aufenthalt in der Natur in Studien nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sondern verringerte auch Angstgefühle und Symptome von Depressionen (solltest du darunter leiden, suche dir bitte unbedingt professionelle Unterstützung!).

Außerdem zeigte sich, dass der Aufenthalt im Grünen auch die kognitive Leistungen verbessern kann. So berichten Studienteilnehmer, dass sie sich nach dem Aufenthalt in der Natur ihre Aufmerksamkeitsspanne erhöht hat und sie sich besser konzentrieren konnten.

Wie sehr sich eine natürliche Umgebung positiv auf den Menschen auswirken kann, zeigt auch eine Studie, in der zwei schwedische Kindergärten miteinander verglichen wurden.

Einer der Kindergärten lag in einem städtischen Umfeld, der andere in einem kleinen Ort außerhalb der Stadt und bot den Kindern Zugang zu relativ ursprünglicher Natur.

Die Kinder im dem Kindergarten mit der natürlichen Umgebung schnitten in allen untersuchten Parametern besser ab, als die Kinder in dem städtischen Kindergarten.

Aber nicht nur Wald und die grüne Natur (die sog. “Green Spaces”) wirken sich positiv auf unsere Gesundheit aus.

Auch die “Blue Spaces” – Küstenlandschaften und gewässerreiche Gebiete wie Seen- und Flusslandschaften – haben nachweislich positive gesundheitliche Auswirkungen. Eine groß angelegte Meta-Studie (das sind Studien, die eine Reihe von anderen Studien zusammenfassen und auswerten) ebenfalls aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Ergebnis, dass größere Gewässerflächen dazu beitragen, dass die Menschen entspannter sind und weniger Stress empfinden.

Beide – die Green Spaces und die Blue Spaces – tragen nachweislich zum Wohlbefinden und zur Gesundheit von Menschen bei.

Dabei scheinen es vor allem vier Dinge zu sein, die für diesen Effekt verantwortlich sind:

Die Begegnung mit Tieren, der Aufenthalt am Wasser, die Möglichkeit, in die Ferne zu blicken und das Wandern auf angelegten Pfaden durch die Natur.

Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2020, die im Discovery Park in Seattle, USA, durchgeführt wurde.

Gerade auch Letzteres – das Wandern auf Pfaden durch die Natur – kann einen dramatischen Effekt auf die Wahrnehmung der Natur haben.

Dazu ein Beispiel aus eigener Erfahrung:

In der Nähe meines aktuellen Wohnortes gibt es einen Waldsportpfad – so die offizielle Bezeichnung. Die Wege sind keine Forstwege, sondern extra angelegte Pfade.

Der Boden ist weich und fühlt sich natürlich an. Es gibt Wurzeln und Moos und manchmal wird der Weg ganz schmal, so dass man ganz nah unter den Bäumen gehen kann.

Ein Pfad durch einen Wald mit Bäumen im Hintergrund.

Angelegter Pfad im Waldsportpfad

Auf solchen Pfaden durch den Wald zu gehen, ist etwas völlig anderes, als auf den großen Forstwegen durch den Wald zu wandern! 

Zusammengefasst:

Der Zugang zu ursprünglicher Natur kann dazu beitragen, dass Menschen sich dauerhaft gut fühlen und gesund bleiben. Dabei gilt: Je ursprünglicher und “wilder” die Natur ist, desto größer ist dieser Effekt.

Ein weiterer Punkt, der die Wichtigkeit einer unberührten Natur für uns Menschen unterstreicht.

Natur als Ort des Rückzugs

Neben den “Hard Facts” – den wissenschaftlich bestätigten Wirkungen der Natur auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden und die ökologische Bedeutung der Natur für uns Menschen – gibt es aber auch ganz andere Ebenen, auf denen die Natur eine wertvolle Ressource für uns darstellt.

Zum Beispiel als Rückzugsort aus der modernen und allzu oft auch anstrengenden Zivilisation.

Warum ist das wichtig?

Ich hatte vorhin die Unterscheidung getroffen zwischen dem Teil der Natur, in dem der Einfluss des Menschen spürbar ist und dem Teil, in dem er es nicht ist (die “unberührte” Natur).

Solange wir uns in Ersterem aufhalten, unterliegen wir schnell dem Einfluss der Menschen um uns herum.

Menschen, die sehr geübt im Meditieren sind, können sich diesem Einfluss vielleicht ganz gut entziehen und trotz der vielen Ablenkungen um sich herum eine gute Verbindung zu ihrem Inneren aufrechterhalten.

Für Menschen, die das nicht sind, ist das dagegen ungleich schwieriger.

Allzu schnell wird man von der Welt um sich herum mehr beeinflusst, als man das vielleicht wahrhaben will.

Ständiger Lärm, die permanente Berieselung mit Werbung, Tausende von Informationen, die beständig auf einen hereinprasseln – da fällt es uns schwer, die eigenen Bedürfnisse und die eigene innere Stimme wahrzunehmen.

Wer aus einer solchen Umgebung in die friedliche Atmosphäre eines Waldes eintaucht, der hat oft das Gefühl, eine ganz andere Welt zu betreten.

Plötzlich ist sie da, die Verbindung zum eigenen Inneren, zur Stimme des Herzens und der Intuition.

Und Fragen, über die man vorher stundenlang gegrübelt hat, lösen sich scheinbar fast von alleine auf. Einfach, weil man plötzlich alles viel klarer sieht.

“Schaue tief in die Natur und du verstehst alles besser.” – Albert Einstein

In der unberührten Natur haben wir Zugang zu uns selbst, eben weil dort der Einfluss anderer Menschen gering oder sogar gar nicht vorhanden ist.

Deshalb ist es so wichtig für uns, in regelmäßigen Abständen den Aufenthalt in der Natur zu suchen.

Sogar die Zeitschrift Men´s Health – nicht unbedingt für eine meditative und spirituelle Sicht auf das Leben bekannt – empfiehlt in einem Artikel dafür die 20-3-5 – Regel:

20 Minuten in der Natur an drei Tagen pro Woche, 5 Stunden insgesamt pro Monat und zusätzlich jedes Jahr drei Tage am Stück in der Natur verbringen – das ist das Rezept, um aus Stress auszusteigen und gesünder zu leben.

Bekannt (und erforscht) ist die 20-3-5 – Regel nach der Psychologin Rachel Hopman von der University of Utah in den USA auch als die “Nature Pyramid”.

Natur und Spiritualität

Wenn wir uns anschauen wollen, welche Rolle die Natur für unsere Spiritualität spielt, dann sollten wir uns zuerst ein paar Gedanken darüber machen, was Spiritualität eigentlich ist.

Das ist tatsächlich eine große Frage, auf die jeder Mensch für sich eine Antwort finden muss (sofern er das möchte) und die sich nicht in einem Blogabsatz beantworten lässt.

Sie lässt sich auch nicht wirklich in einem kompletten Blogartikel beantworten. Trotzdem wird es demnächst einen eigenen Artikel dazu von mir geben, der sich mit dieser Frage auseinandersetzt.

Hier möchte ich nur ein paar Ideen und Anregungen dazu mit dir teilen, damit du weißt, wie ich zu dem Thema stehe und du meine Gedanken besser nachvollziehen kannst.

Schließlich taucht das Thema Spiritualität immer wieder hier bei Flowfeather auf.

Was ist Spiritualität überhaupt?

Falls du dich für spirituelle Themen interessierst und vielleicht auch schon das eine oder andere Mal eine Google-Suche zum Beispiel nach Büchern zu solchen Themen gemacht hast, dann werden dir dank des Google-Algorithmus wahrscheinlich des Öfteren Werbeanzeigen zu Tarotkarten-Lesungen, Horoskopen, Law-of-Attraction-Webinaren oder Engel-Seminaren präsentiert werden.

All das sind Themen, die wir irgendwie mit Spiritualität in Verbindung bringen. Und bei denen wir uns manchmal auch fragen, was davon eigentlich wirklich und real ist und was nur geschrieben wurde, weil es sich gerade gut verkaufen lässt.

Auch die Frage, was Spiritualität im Kern eigentlich bedeutet, bleibt meist unbeantwortet.

Schauen wir uns dazu das Wort selbst an. Spiritualität stammt vom lateinischen “spiritus”, was laut dem PONS Wörterbuch soviel wie “Luftzug, Wind, Atem”, aber auch “Lebenshauch, Seele, Geist” bedeutet.

Das kommt der Bedeutung des englischen “Spirit” – ein Wort, das ich hier bei Flowfeather gerne verwende, weil es weniger bedeutungsschwer als unser deutsches Wort “Seele” ist – für den Geist oder die Seele von etwas nahe.

“Spirituell” zu sein, bedeutet demnach einfach erst einmal, dass man der Ansicht ist, dass es so etwas wie eine geistige Welt gibt.

Es ist der Glaube daran, dass die Welt nicht einfach nur ein zufällig zusammengewürfelter Haufen Materie ist, sondern dass hinter dieser materiellen Welt eine geistige Welt liegt, die die Materie beeinflusst.

Und mehr: Eine spirituelle Sicht auf das Leben geht davon aus, dass die gesamte materielle Welt Ausdruck eines unendlichen, intelligenten Bewusstseins ist.

Ob man diesem Gedanken folgt, ist letztlich eine persönliche Entscheidung. Und damit ist Spiritualität und “spirituell zu sein”, ebenfalls eine Entscheidung, die jeder für sich ganz persönlich trifft.

Denn:

Beweisen lässt sich ein solches unendliches, intelligentes Bewusstsein nicht – auch wenn es viele Argumente gibt, die dafür sprechen (dazu mehr in dem angesprochenen eigenen Artikel über das Thema Spiritualität).

Wenn man sich für diese Sichtweise entscheidet, taucht natürlich die Frage auf, wie man “spirituell lebt”, wie man also Spiritualität in das eigene Leben integriert – ohne jedem Esoterik-Hype hinterherzulaufen.

Und da kommt die Natur ins Spiel.

Mit der Natur zu mehr Spiritualität im Leben

Alleine schon das Rausgehen in die Natur bringt uns mehr in Kontakt mit unserer Spiritualität. Denn die Natur ist ein direkter Ausdruck des Lebens, also des Schöpfergeistes hinter der materiellen Welt.

Wenn wir uns in der Natur aufhalten, spüren wir die Energie dieses intelligenten Bewusstseins – egal, ob du es nun Gott, das Göttliche, das Universum, Great Spirit oder einfach nur die Quelle des Lebens nennst.

Und je “wilder” und ursprünglicher die Natur ist, desto einfacher fällt es uns, in Kontakt mit dieser Energie zu kommen (die “Good Vibes” der Natur).

Weil eben in der ursprünglichen Natur der Einfluss des Menschen nicht oder kaum noch spürbar ist (erinnere dich an den Absatz darüber, was Natur ist) und unsere Wahrnehmung nicht ständig abgelenkt wird.

In der Natur sind wir automatisch mehr im Spüren und weniger im Denken. Und das ist die Voraussetzung für spirituelle Erfahrungen.

Das ist auch der Grund dafür, dass sich Menschen in allen Kulturen auf der Suche nach Erkenntnis und einer spirituellen Lebensweise oft in die Natur zurückgezogen haben – seien es die Zen-Mönche in Japan, die Mönche der christlichen Tradition in Europa oder die Native Americans während ihrer Vision Quest, um nur einige zu nennen.

Alle haben sich in die Natur zurückgezogen, weil wir dort am einfachsten mit der Quelle des Lebens in Kontakt kommen. 

Ein Traumfänger vor einer Landschaft.

In der Natur haben wir leichter Zugang zu unserer Spiritualität

Wir spüren die Ehrfurcht vor dem Leben und vor der Quelle des Lebens – und Spiritualität wird so ganz automatisch zu einem Teil unseres Lebens.

Und wer mag, kann noch weiter gehen:

Sprich mit den Pflanzen und Tieren, während du zum Beispiel durch einen Wald gehst. Und beobachte, was das mit dir macht. Wie diese Art der Begegnung mit der Natur dein eigenes Inneres verändert.

Oft spüren Menschen, die das ausprobieren, eine Emotions- oder Energiewelle durch den Körper laufen, nachdem sie in Gedanken oder laut Worte an den Spirit zum Beispiel eines Baumes gerichtet haben.

Nach Serge King und der Huna-Philosophie ist das eine Antwort der Spirits, die wir auf diese Weise wahrnehmen.

Das mag für Viele erst einmal ein sehr gewöhnungsbedürftiger Gedanke sein, aber letztlich ist alles Energie und Energie interagiert miteinander.

Von Nikola Tesla, dem genauso genialen wie umstrittenen Physiker und Ingenieur, nach dem Elon Musk seine Firma Tesla benannt hat, ist folgendes Zitat überliefert:

“Wenn Du das Universum verstehen willst, dann denke in Kategorien wie Energie, Frequenz und Schwingung.” (Nikola Tesla)

Auch wenn Spiritualität immer eine persönliche Entscheidung bleibt, die Annahme, dass die Welt um uns herum nur eine zufällige Ansammlung lebloser Materieklumpen ist, ist in meinen Augen eine veralterte Sichtweise, die ihre Wurzeln in der Physik des 17. und 18. Jahrhunderts hat und kaum mit einem modernen Weltbild vereinbar ist.

Ich glaube, dass wir weg kommen sollten von einem solchen mechanistischen Weltbild, das weder uns, noch der Welt um uns herum gut tut.

Und der regelmäßige Aufenthalt in ursprünglicher Natur ist ein guter und wichtiger erster Schritt dahin.

Fazit Teil 1

Im ersten Teil der zweiteiligen Artikelserie “Wo bitte geht´s hier zur Natur”, ging es darum, was Natur überhaupt ist und warum sie für uns Menschen eine zentrale Bedeutung hat.

Wir haben gesehen, dass es zwei Seiten der Natur gibt und dass wir Menschen sowohl Teil der Natur sind, als auch von ihr abhängig sind.

Wir haben uns mit den vielen positiven Auswirkungen der Natur auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden befasst und die Bedeutung der Natur für eine alltagsbezogene Spiritualität angesprochen.

Und wir haben gesehen, dass all diese positiven Aspekte der Natur umso deutlicher zum Tragen kommen, je ursprünglicher und “wilder” die Natur ist.

Und das bringt mich zum zweiten Teil der Serie, in dem es darum gehen wird, wie die Situation bei uns in Deutschland eigentlich ist.

Gibt es überhaupt noch Wildnis und ursprüngliche Natur in Deutschland? Welche Möglichkeiten haben wir, mehr Natur in das eigene Leben zu holen und die Energie dieser “wilden” und ursprünglichen Natur zu spüren, wenn wir keine Flüsse, Berge und Urwälder (mehr) vor der Haustür haben?

Das sind Fragen, um die es im nächsten Artikel gehen wird.