Willkommen zum zweiten Teil der Artikelserie “Wo bitte geht´s hier zur Natur?”.

Kurz zur Erinnerung:

Im ersten Teil ging es darum, warum es eine gute Idee ist, möglichst natürliche Landschaftsräume zu erhalten. Warum Wildnis und “echte” Natur nicht nur nicht überflüssig, sondern sogar essentiell für uns Menschen sind.

Leider haben wir davon hier bei uns in Deutschland nur noch sehr wenig (wenn überhaupt) übrig gelassen.

Deshalb soll es in Teil 2 und Teil 3 darum gehen, ob und wie wir es hier bei uns trotzdem schaffen können, der Natur auf einer tieferen Ebene zu begegnen und echte Verbundenheit zur Natur aufzubauen – mit all den positiven Wirkungen, die eine solche Verbindung auf uns und unser Leben haben kann.

Im zweiten Teil, den du gerade liest, möchte ich dir einige Möglichkeiten vorstellen, wie du ganz konkret mehr Natur in deiner Umgebung finden kannst, selbst wenn du in einer urbanen Umgebung wohnst (oder so wie ich, in einem sehr landwirtschaftlich geprägtem Umfeld).

Im dritten und letzten Teil wird es dann um weniger greifbare Möglichkeiten für mehr Natur und Naturverbundenheit gehen – Meditationen, Coachingtechniken oder eher schamanisch geprägte Ansätze gehören dazu. Aber auch der Einsatz von technischen Hilfsmitteln und Vorschläge für Tätigkeiten in der Natur findet du im letzten Teil der Artikelserie.

Jetzt lass uns aber schauen, wo und wie du ganz konkret und greifbar mehr Natur in dein Leben bringen kannst.

Keine Natur in Deutschland?

Vor vielen, vielen Jahren habe ich einmal ein Interview mit dem mittlerweile verstorbenen Sun Bear gesehen, einem Sioux-Native aus den USA, der das Medizinrad in der westlichen Welt bekannt gemacht hat.

In dem Interview sprach Sun Bear von Deutschland als einem Land, das “bis an die Zähne industrialisiert” ist.

Luftaufnahme eines großen Industriekomplexes mit mehreren Gebäuden und hoch aufragenden Schornsteinen, umgeben von grünen Feldern.

In einem hochindustrialisiertem Land wie Deutschland bleibt oft wenig Platz für die Natur

Die hohe Bevölkerungsdichte in Verbindung mit dem Ausmaß an Industrie, die in Deutschland als aktuell (Anfang 2024) drittgrößter Volkswirtschaft der Welt vorhanden ist, hat leider kaum noch Platz für wirkliche Natur gelassen.

Das ist auch das Fazit dieses kurzen, aber lesenswerten Artikels in der Frankfurter Rundschau.

Kein Wunder, dass Natur bei uns Mangelware geworden ist.

Aber Deutschland ist doch sehr waldreich?

Natürlich haben wir sehr viel Wald in Deutschland – ungefähr ein Drittel der Landesfläche bestehen aus Wald. Damit ist Deutschland sogar das waldreichste Land Mitteleuropas – gemessen an den Zahlen.

Aber: Dabei handelt es sich fast ausschließlich um forstwirtschaftlichen Wald, der mehr oder weniger intensiv forstwirtschaftlich genutzt wird.

Und der oft wenig mit einem natürlichen Wald gemeinsam hat.

Nicht ohne Grund sprechen die Förster davon, “Holz zu ernten”. Und Biologen bezeichnen derartige Forstwälder gerne auch mal etwas abschätzig als “Holzfelder”.

Solche Monokulturen weisen einen erheblich geringeren Artenreichtum als ihre natürlichen Verwandten auf. Sie sind anfälliger für Schädlinge, wie den Borkenkäfer – die im übrigen auch nur deshalb als Schädlinge auftreten, weil sie in den meist ortsuntypischen Monokulturen einen unnatürlich reich gedeckten Tisch vorfinden.

Natürliche Ökosystem weisen in der Regel eine höhere Variabilität verschiedener Baumarten auf und wenn eine Art vorherrscht, wie zum Beispiel in der Taiga mit ihren Nadelbaumbeständen, dann sind diese an die Bedingungen vor Ort gut angepasst und daher widerstandsfähiger als ihre Artgenossen in den Monokulturen.

Betritt man einen natürlichen Wald, spürt man sofort den Unterschied zu den forstwirtschaftlich genutzten Wäldern hier in Deutschland. In einem “richtigen” Wald herrscht eine ganz andere Energie als in seinem forstwirtschaftlich genutzten Pendant.

Auch forstwirtschaftlich genutze Wäldern haben viele positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Aber in natürlichen und naturnahen Wäldern herrscht eine ganz andere Atmosphäre als in ihren bewirtschafteten Pendants.

Wer einmal in einem Land unterwegs war, in dem es noch “richtige” Wildnis und eine ursprüngliche Natur gibt, der weiß wovon ich spreche. Meist hinterlassen Besuche in solchen Gegenden ein tiefes Gefühl der Ehrfurcht in uns. Und das gilt natürlich auch für natürliche (oder zumindest sehr naturnahe) Wälder.

Ist es also besser, in Deutschland erst gar nicht zu versuchen, sich wieder mit der Natur zu verbinden und die Natur zu einer Quelle der Weisheit und der Spiritualität im eigenen Leben zu machen?

Oder gibt es Möglichkeiten, wie du auch hier in Deutschland den Kontakt mit der Natur vertiefen und so inspirierter, entspannter und mit mehr Flow leben kannst?

Ja, die gibt es!

National Geographic hat sogar kürzlich einen Artikel dazu veröffentlich, in dem die Zeitschrift “Fünf Naturschutzprojekte (vorstellt), die Hoffnung machen” (so der Titel des Artikels.

So machst du die Natur zu deinem Freund – auch in Deutschland

Einige Möglichkeiten dazu hatte ich dir bereits in diesem Artikel vorgestellt, in dem es darum ging, wie du mehr Natur in dein Leben holst, wenn du in der Stadt lebst.

Und all diese Sachen kannst du natürlich generell auch machen, um den Mangel an Wildnis in Deutschland und die damit verbundene Entfremdung von der Natur ein Stück weit auszugleichen.

Aber es gibt noch mehr, was du tun kannst.

Deutschlands Nationalparke – Hoffnungsschimmer für Mensch und Natur

Seit der Gründung des Yellowstone Nationalparks – dem ersten Nationalpark der Welt – im Jahre 1872, ist es die Hauptaufgabe von Nationalparken, besonders wertvolle Gebiete dauerhaft vor dem Einfluss des Menschen zu schützen.

Holzschild mit der Aufschrift „Yellowstone-Nationalpark“ am Eingang des Parks, mit einer Berglandschaft im Hintergrund.

Wie wichtig solche Nationalparke gerade auch hier bei uns in Deutschland sind, habe ich nach meinem Biologie-Studium im Jahr 2000 während eines sechsmonatigen Praktikums im Nationalpark Harz gesehen.

Leider sind uns solche Nationalparke in Deutschland nur 0,6% unserer Landesfläche wert (Quelle: Bundesamt für den Naturschutz), aber immerhin.

Nationalparke stellen auch bei uns hier in Deutschland eine Möglichkeit dar, relativ natürliche Landschaftsräume kennenzulernen und so eine tiefere Verbindung mit der Natur aufzubauen.

Widerstand gegen Nationalparks – nachvollziehbar?

Sinn und Zweck der Nationalparke ist nicht nur, die Natur zu schützen, sondern auch, sie für die Menschen erlebbar zu machen.

Das wird oft vergessen, wenn es in Deutschland um die Einrichtung eines neuen Nationalparks geht (wie erst kürzlich im geplanten und bei großen Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung stoßenden Nationalpark Spessart).

Gerade weil wir in Deutschland nur noch sehr wenige wirkliche Naturräume haben, zieht es nämlich viele Menschen in die Nationalparks.

Das fördert den Tourismus in der jeweiligen Region.

In Verbindung mit den Möglichkeiten, die ein Nationalpark für die Öffentlichkeitsarbeit bietet, kommt die Einrichtung eines Nationalparks fast schon einem Wirtschaftsförderungsprogramm für die Region gleich.

Eigentlich also eine Win-Win-Situation.

Als ich damals das Praktikum im Harz gemacht habe, war der Nationalpark dort noch relativ neu. Und weite Teile der Bevölkerung hatten große Vorbehalte gegen den Nationalpark.

Mittlerweile hat sich das geändert.

Die Bewohner der Nationalparkgemeinden haben erkannt, dass das Aushängeschild “Nationalpark” nicht nur Einschränkungen mit sich bringt, sondern eben auch dafür sorgt, dass viele Gäste kommen, um die Natur zu erleben.

Gleichzeitig wird die Natur geschützt, da jeder Nationalpark über ein aktives Besucherlenkungssystem verfügt, so dass Kernzonen des Nationalparks als Rückzugsgebiete für Tiere zur Verfügung stehen und Besucher trotzdem die Natur in einem Maß erleben können, wie es anderswo in Deutschland nur noch schwer möglich ist.

Nationalparke in Deutschland – eine Übersicht

Für den Fall, dass du jetzt auf den Geschmack gekommen bist und deinen nächsten Urlaub in einem Nationalpark in Deutschland verbringen willst, habe ich hier einmal alle Nationalparke für dich zusammengestellt.

Übrigens:

Alle Nationalparke bieten ein umfangreiches Programm mit Aktivitäten in vielen verschiedenen Bereichen an – auch und gerade, wenn es um das Erleben von Natur geht!

Bestimmt findest du ein für dich passendes Angebot.

Insgesamt gibt es 16 Nationalparke in Deutschland (Stand: Anfang 2024). Hier die Übersicht (geordnet nach Entstehungsjahr):

Deutschlands Nationalparke in der Übersicht (aufklappen)

Nationalpark Bayerischer Wald

Eine Person mit Mütze und Rucksack sitzt auf einem großen Felsen neben einem ruhigen See, umgeben von bewaldeten Hügeln (Nationalpark Bayerischer Wald).

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist Deutschlands ältester Nationalpark. Er zeichnet sich durch seine ausgedehnten Wälder mit reicher Artenvielfalt aus. Mit über 300 Kilometern markierter Wanderwege bietet er Besuchern die Möglichkeit, die unberührte Natur zu erkunden und zu erleben.

Nationalpark Berchtesgaden

Ein Panoramablick auf eine Berglandschaft mit üppigem Grün, felsigen Gipfeln und einem türkisfarbenen Seen unter einem teilweise bewölkten Himmel.

Der Nationalpark Berchtesgaden in Deutschland besticht durch eine atemberaubend schöne alpine Landschaft, die von schroffen Berggipfeln, glitzernden Seen (allen voran der Königssee) und üppigen Wäldern geprägt ist. Er bietet Schutz für eine Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten, darunter Steinadler und Alpenrosen. Mit zahlreichen Wander- und Kletterrouten bietet der Park gleichermaßen Anreize für Abenteurer, Erholungssuchende und Naturliebhaber.

Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Ein Sandstrand mit sanften Wellen, blauem Himmel und weißen Wolken. Entlang der Küste sind Gebäude und Menschen zu sehen, darunter ein Gebäude auf Stelzen.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Deutschland ist nicht nur Deutschlands größter Nationalpark, sondern auch UNESCO-Weltnaturerbe und bildet mit dem Niedersächsischen und dem Hamburgischen Wattenmeer das größte Wattenmeer-System der Welt. Seine einzigartige Landschaft wird von Gezeiten geprägt und bietet Lebensraum für Millionen von Zugvögeln sowie eine Vielzahl von Wattbewohnern. Mit seinen weitläufigen Wattflächen, Salzwiesen und Inseln ist der Nationalpark ein bedeutendes Ökosystem und ein Paradies für Naturliebhaber und Vogelliebhaber.

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Drei Seehunde ruhen sich auf einem Sandstrand neben dem Wasser aus, ein Seehunf weiter oben am Ufer und die anderen beiden in der Nähe der Wasserkante.

Auch der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Als eines der wichtigsten Feuchtgebiete der Welt bietet es einen unvergleichlichen Lebensraum für Millionen von Zugvögeln während ihrer Wanderungen. Mit seinen einzigartigen Gezeitenverhältnissen und der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt stellt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ein herausragendes Beispiel für Naturvielfalt entlang der deutschen Küste dar.

Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer

Ein weites, schlammiges Watt mit vereinzelten Wassertümpeln und einer alten Holzbarriere, die sich unter einem klaren, blauen Himmel horizontal über die Mitte erstreckt.

Als dritter im Bunde ist auch der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer Teil des UNESCO-Weltnaturerbes und zeichnet sich durch sein einzigartiges gezeitengeprägtes Ökosystem aus. Der Nationalpark bietet Lebensraum für eine Vielzahl von Wattvögeln, Robben und anderen Küstenbewohnern und ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel auf ihren Wanderungen. Mit seinen Wattflächen, Salzwiesen und Prielen ist der Nationalpark ein faszinierendes Naturgebiet, das Besuchern die Möglichkeit bietet, die Dynamik und Schönheit des Wattenmeers zu erleben.

Nationalpark Jasmund

Blick auf eine malerische Küste mit weißen Kreidefelsen und türkisfarbenem Wasser, umrahmt von hohen grünen Bäumen unter einem teilweise bewölkten blauen Himmel.

Der kleinste Nationalpark Deutschlands, der Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen, beherbergt die größten Buchenwälder der Ostseeküste und ist zu Recht UNESCO Welterbe. Daneben ist der Nationalpark Jasmund bekannt für seine markanten Kreidefelsen, die zu den höchsten in Europa gehören. Die spektakulären Felsen ragen steil aus der Ostsee empor und bieten atemberaubende Ausblicke über das Meer und die umliegende Landschaft. Der Nationalpark ist Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten, darunter so seltene Arten wie Frauenschuh und verschiedene Orchideenarten oder Seeadler, die an der Küste des Nationalparks brüten.

Nationalpark Harz

Eine lebendige Landschaft mit einem grünen Tal, flankiert von steilen, felsigen Bergen unter einem strahlend blauen Himmel mit dünnen Wolken.

Die Dürre der letzen Jahre (vor allem 2022 und 2023) und der daraus resultierende Borkenkäferbefall haben dem Nationalpark Harz, in dem ich im Jahr 2000 für 6 Monate arbeiten durfte, schwer zugesetzt. Dessen dichte Wälder bestanden bisher nämlich überwiegend aus den eigentlich standortfremden Fichten, die in Zeiten des Bergbaus im Harz als schnell wachsende Bäume flächendeckend geplanzt worden waren. Für Besucher bietet sich jetzt die Gelegenheit, die Entstehung eines neuen, natürlichen Ökosystems hautnah mitzuerleben. Nach wie vor lässt sich an vielen Stellen aber auch die einzigartige Mischung aus dichten Wäldern, wilden Flüssen und schroffen Felsformationen erleben, für die der Harz eigentlich bekannt ist. Der Nationalpark Harz bietet Lebensraum für eine Vielzahl teils seltener Tier- und Pflanzenarten, wie zum Beispiel Luchs und Schwarzstorch.

Nationalpark Sächsische Schweiz

Unter einem bewölkten Himmel erheben sich Felsformationen über einem dichten Wald und zeigen eine natürliche Landschaft mit üppigem Grün und schroffen Klippen.

Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist nicht nur einer der kleinsten Nationalparks Deutschlands, er beherbergt mit der Bastei auch eines der spektakulärsten Naturwunder Deutschlands. Als einziger nichtalpiner Felsennationalpark in Deutschland besticht durch seine bizarren Felsformationen und tiefen Schluchten, die Wanderer und Kletterer aus aller Welt anziehen. Der Park und dessen Umgebung bieten über 1.100 Klettergipfel und zahlreiche gut markierte Wanderwege durch eine abwechslungsreiche, teils spektakuläre Landschaft.

Müritz-Nationalpark

Eine Vogelgruppe fliegt während eines leuchtenden Sonnenuntergangs über einem ruhigen Gewässer. Der Himmel und die Wolken weisen Schattierungen von Orange und Rot auf.

Der Müritz-Nationalpark in Deutschland ist ein Muss für alle Wasserliebhaber. Über 100 Seen mit mehr als 10.000 Quadratmetern Fläche bieten neben ausgedehnten Buchenwäldern und artenreichen Feuchtgebieten vielfältige Möglichkeiten, Natur hautnah zu erleben. Der Nationalpark ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für bedrohte Tierarten wie den Seeadler. Mit über 300 Quadratkilometern ist er zugleich der größte Land-Nationalpark Deutschlands und bietet zahlreiche Wander- und Radwege, um die unberührte Natur zu erkunden.

Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Ein umgestürzter Baum mit kahlen Ästen liegt an einem Sandstrand in der Nähe des Meeres unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken.

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft wirbt zu Recht mit dem Slogan “Wildnis am Meer”. Der drittgrößte Nationalpark Deutschlands ist mit seinen Küstenlagunen (den Bodden) ein einzigartiges Küstenökosystem, dessen flache Bodden wichtige Rastplätze für Zugvögel bieten und eine Heimat für eine Vielzahl von Wasservögeln sind. Dazu gehören so eindrucksvolle Arten wie Seeadler und Kraniche. Mit seinen malerischen Landschaften und dem maritimen Lebensraum bietet der Nationalpark Besuchern die Möglichkeit, die natürliche Schönheit und Vielfalt der Ostseeküste intenisv zu erleben und zu genießen.

Nationalpark Unteres Odertal

Bäume mit grünen Blättern spiegeln sich in einem ruhigen Fluss, umgeben von trockenem, hohem Schilfgras, unter einem pastellfarbenen Himmel.

Wer die Schönheit und Majestät einer (zumindest teilweise) natürlichen Flusslandschaft mit weitläufigen Auen und unberührter Natur erleben möchte, der ist in Deutschlands einzigem Auen-Nationalpark richtig. Der Nationalpark Unteres Odertal erstreckt sich entlang der Oder und bietet mit seiner Auenlandschaft die Grundlage für eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Im Nationalpark brüten 145 verschiedene Vogelarten, dazu kommen 40 verschiedene Fischarten und auch der Biber ist im Nationalpark zu Hause.

Nationalpark Hainich

Luftaufnahme eines dichten grünen Waldes mit einem über den Baumwipfeln liegenden Gehweg, der zu einer Aussichtsplattform führt.

Der Nationalpark Hainich ist bekannt für seine beeindruckenden Buchenwälder, die Teil des UNESCO-Weltnaturerbes sind und eine einzigartige natürliche Vielfalt bieten. Als eines der größten zusammenhängenden Laubwaldgebiete Deutschlands beheimatet der Park seltene Tierarten wie Schwarzspecht und Wildkatze und bietet Lebensraum für 15 verschiedene Fledermausarten. Ein gut ausgebautes Wegenetz mit Wanderwegen und Naturerlebnispfaden ermöglicht es den Besuchern, einen Eindruck davon zu bekommen, wie Urwälder in Mitteleuropa einmal ausgesehen haben könnten.

Nationalpark Eifel

Ein ruhiger See, umgeben von üppig grünen Hügeln und Bäumen unter einem klaren blauen Himmel mit ein paar vereinzelten Wolken.

Der Nationalpark Eifel in Deutschland ist geprägt von einer einzigartigen Mischung aus ausgedehnten Buchenmischwäldern, Seen und weitem, offenem Grasland (die Dreiborner Hochfläche). Damit bietet er Rückzugsort für tausende von Tier- und Pflanzenarten, darunter Uhu, Schwarzstorch und Wildkatze. Er ist einer der jüngeren Nationalparke in Deutschland, ermöglicht es aber schon jetzt den Besuchern, das Gefühl von Wildnis und unberührter Natur zu erleben.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

Eine malerische Aussicht auf einen ruhigen See, umgeben von üppigen grünen Hügeln unter einem blauen Himmel mit vereinzelten Wolken. Auf dem See ist ein Boot zu sehen.

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee, der 2024 zusammen mit dem Nationalpark Eifel und dem Nationalpark Schwarzwald sein 20-jähriges Bestehen feiert, zeichnet sich durch ausgedehnte Buchenwälder aus, die als UNESCO-Weltnaturerbe ausgezeichnet wurden und eines der größten geschlossenen Buchenwaldgebiete Deutschlands bilden. Aufgrund ihrer Hanglage sind viele Teile dieser Wäldern weitestgehend unberührt und bieten Lebensraum für eine Vielzahl von seltenen Tierarten wie Schwarzstorch und Wildkatze. Nationalpark-Besucher haben im Nationalpark die Möglichkeit, eindrucksvolle Naturerlebnisse in einer wundervollen Naturlandschaft zu erleben.

Nationalpark Schwarzwald

Eine heitere, neblige Landschaft mit mehreren baumbedeckten Hügeln, die in der Ferne verschwinden und eine ruhige und stimmungsvolle Szene schaffen.

Der erst 2014 gegründete Nationalpark Schwarzwald wirbt mit dem Slogan “Eine Spur wilder” – zu Recht, denn mit seinen alten Bannwäldern, den Mooren, Karseen (von denen es drei im Nationalparkgebiet gibt), Wasserfällen und imposanten Felsformationen beeindruckt der Nationalpark durch eine vielfältige Landschaft. Mit nur ca. 10.000 ha Fläche gehört er zwar zu den kleineren Nationalparken in Deutschland, bietet aber trotzdem Lebensraum für seltene Tierarten wie Auerhahn, Schwarzstorch und (aktuell noch vereinzelte) Wildkatzen und Luchse. Ein gut ausgebautes Wegenetz mit verschiedenen Themenpfaden machen das Nationalparkgebiet für Naturliebhaber erlebbar.

Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Eine Waldszene mit großen, mit Moos bedeckten Felsen unter einem Blätterdach aus Bäumen mit grünen Blättern.

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist der jüngste Nationalpark in Deutschland. Mit seinen ausgedehnten Waldflächen, die sich über die Hochlagen des Hunsrück erstrecken, hebt er sich deutlich von den umliegenden Weinanbaugebieten ab. Auf ca. 10.000 ha Fläche bietet der Nationalpark Rückzugsraum für viele Pflanzen und Tiere und stellt einen “biologischen Hotspot” in der Region dar. Austellungen, Erlebnistouren und ein tägliches Veranstaltungsprogramm bieten – wie in allen Nationalparken – viele Möglichkeiten, die Natur des Nationalparks kennenzulernen. Für Naturliebhaber, die den Nationalpark lieber auf eigene Faust erkunden möchten, gibt es eine Nationalpark-App, die mit vielen Tipps und Inspirationen die Planung eigener Touren erleichtert.

 

Eine komplette Übersicht über alle Nationalparke in Deutschland sortiert nach Bundesländern findest du auch auf der Website des Dachverbands der deutschen Nationalparke, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete (die interaktive Karte auf der Website des Dachverbands macht allerdings auch deutlich, wie winzig klein die Fläche der Nationalparke in Deutschland tatsächlich ist).

Auch wenn Nationalparke bei uns vielleicht nicht den Stellenwert und die Ursprünglichkeit wie in anderen Ländern haben, stellen sie dennoch eine wunderbare Möglichkeit dar, mit (einigermaßen) unbeeinflusster Natur in Kontakt zu kommen und die Verbundenheit mit der Natur zu vertiefen.

Naturschutzgebiete & naturnahe Wälder und Naturräume

Das gleiche gilt natürlich auch für andere Schutzgebiete. Denn neben den Nationalparken gibt es noch andere Schutzkategorien in Deutschland.

Ein Schild mit einem fliegenden Vogelbild und dem Text „Naturschutzgebiet“. Darunter ein rechteckiges Informationsschild mit ausführlichem Text und Symbolen zu den Vorschriften im Naturschutzgebiet.

Dazu gehören Biosphärenreservate, Landschaftsschutzgebiete, Naturparke, Naturschutzgebiete und die sog. Natura 2000 – Gebiete.

Allen gemeinsam ist, dass die Natur in diesen Gebieten besonders geschützt ist und sich freier entwickeln kann, als das anderswo der Fall ist.

Und deshalb stellen diese Gebiete ebenfalls eine gute Möglichkeit dar, mehr Natur in sein Leben zu bringen und Natur auf eine intensivere Weise zu erfahren, als im Stadtpark vor der Haustür.

Aber:

Dass diese Gebiete besonders geschützt sind, bedeutet natürlich auch, dass es besondere Bestimmungen zum Betreten dieser Gebiete geben muss. Denn sonst wäre der Schutz schnell dahin.

Mach dich also unbedingt mit den Bestimmungen vor Ort vertraut, bevor du ein solches Schutzgebiet betrittst.

Zu den allgemeinen Bestimmungen, die so gut wie überall gelten (und alleine schon aus gesundem Menschenverstand heraus normal sein sollten), gehören:

  • Das Wegegebot (du solltest / musst auf den Wegen bleiben)
  • Keine Pflanzenteile abpflücken, abreißen oder abschneiden
  • Keinen Müll liegenlassen
  • Sich angemessen verhalten (keine Laute Musik, kein lautes Rufen usw.)
  • Hunde ggf. anleinen

Wenn du dich daran hältst, kann du in diesen besonders geschützten Gebieten wundervolle Naturerfahrungen machen und deine Verbindung mit der Natur weiter vertiefen.

Für Nordrhein-Westfalen habe ich letztens hier eine Übersicht über einige schöne Naturparks gesehen. Falls du aus NRW konnst, ist das ja vielleicht etwas für dich.

Oft gibt es auch relativ naturnahe Räume, die keinen Schutzgebietscharakter haben.

Sei es, dass ein Waldstück in privater Hand mehr oder weniger sich selbst überlassen wird oder sei es, dass ein ehemaliger Acker schon seit Jahren brachliegt und nicht mehr bewirtschaftet wird, weil der dazugehörige Hof keine Landwirtschaft mehr betreibt.

Auch dort kannst du wundervolle Naturerfahrungen machen. Denn die Natur erobert sich solche Gebiete meist relativ schnell zurück.

Parkanlagen und Tiny Forests

Nicht immer muss es die unberührte, wilde Natur sein, die uns in Kontakt mit der Natur bringt – obwohl grundsätzlich natürlich gilt, dass ursprüngliche Naturerfahrungen eine besonders intensive Wirkung auf uns haben.

Manchmal reicht es auch schon, wenn man zumindest etwas mehr Natur in sein Leben holt, als man das normalerweise macht.

Eine gute Möglichkeit dazu: Stadtparks und Tiny Forests.

In eigentlich jeder Stadt gibt es eine oder mehrere solcher Parkanlagen. Und auch dort kannst du tiefgreifende Naturerfahrungen machen.

Oft ist es sogar gerade so, dass in solchen Parkanlagen besonders alte und eindrucksvolle Bäume stehen – schließlich gibt es in diesen Anlagen keine Forstwirtschaft. Schau dich doch mal in deinem nächstgelegenen Park um, was es dort an Natur zu entdecken gibt.

Und selbst, wenn es dort keine “besonderen” Bäume gibt (letztlich ist ja jeder Baum etwas Besonderes), kannst du in Stadtparks viele andere Naturerfahrungen machen.

Es gibt jede Menge Vögel zu entdecken, Füchse streifen als Kulturfolger in der Dämmerung durch die Anlagen, Eichhörnchen und Schläfer leben in den Bäumen, es gibt Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten, die an den Blüten der vielen Blumen in solchen Stadtparks sitzen.

All das sind wunderbare Möglichkeiten, die Natur um sich herum zu genießen und sich mit der Natur verbunden zu fühlen.

Oft gibt es auch Brunnen oder sogar kleine Teiche in solchen Parkanlagen. Wasser ist ein wichtiges Element in der Natur und einfach nur die Füße in das Wasser zu halten, kann dazu beitragen, sich mit der Erde und der Natur verbunden zu fühlen.

Ein ruhiger Teich mit grünem Wasser, umgeben von üppigen Bäumen und einer kleinen Holzbrücke unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken.

Natur in der Stadt: Teich im Clara-Zetkin-Park in Leipzig

Oder du läufst einfach mal barfuß über die Grünflächen (wobei du natürlich darauf achten solltest, wo du hintrittst). Auch das verbindet dich – im wahrsten Sinne des Wortes – mit der Erde und du tust sogar etwas für deine Gesundheit.

Denn das Barfußlaufen sorgt für einen Ladungsausgleich zwischen dir und der Erdoberfläche, was nachweislich positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat (Stichwort “Earthing”, hier ein Link zu einer Studie dazu).

Zum Glück hat mittlerweile auch die Politik erkannt, wie wichtig Natur gerade auch in der Stadt ist. So berichtet National Geographic in diesem erst kürzlich erschienenen Artikel von einer Reihe von regionalen Projekten, die alle das Ziel verfolgen, mehr Natur in die Stadt zu bringen.

Natur in die Stadt zu bringen, ist das auch das Ziel der Tiny Forest Bewegung, die immer mehr Anhänger in Deutschland findet. Tiny Forests – also kleine Wälder – sollen die Atmosphäre des Waldes auch für Menschen in der Stadt erlebbar machen.

Eine wichtige Rolle spielen solche Tiny Forests auch für die Luftqualität und das Mikroklima in unseren Städten. In Zeiten des Klimawandels wird es immer wichtiger, ein aktives Temperaturmanagement in den Städten zu etablieren und Tiny Forests stellen einen wichtigen Baustein dafür dar.

Ausgedacht hat sich das Tiny Forest Konzept übrigens der Japaner Akira Miyawaki. Es scheint die besondere Beziehung Japans und der Japaner zum Wald zu sein, die den Weg für solche Ideen ebnet, denn auch das Waldbaden, dass sich ebenfalls in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut, stammt ursprünglich aus Japan.

Wenn du mehr über die Tiny Forest Bewegung in Deutschland erfahren willst, dann schau dir auf jeden Fall die Website des Vereins MIYA forest e.V. an, der die Tiny Forest Idee in Deutschland weiter voranbringen will.

Botanische Gärten

Wir bringen Gärten normalerweise nicht mit ursprünglicher Natur und Wildnis in Verbindung. Ganz im Gegenteil: Wir sehen Gärten eher als kultivierte Natur, abgegrenzt von der “wilden Natur” außerhalb davon.

Schon das Wort “Garten” drückt das aus. Das stammt nämlich ab vom germanischen “gher”, heute noch als Gerte in Gebrauch, was sich auf Weidengerten (Weidenruten, die jungen, biegsamen Zweige der Weiden) und Gerten anderer Bäume bezog, mit denen man die Anbaufläche vor einem Gehöft von der umliegenden Natur abgrenzte.

So ist der Garten eben der von der Natur abgegrenzte Kulturraum.

Das trifft allerdings nicht auf alle Gärten zu. Vor allem Botanische Gärten, von denen es in Deutschland über 100 gibt, haben häufig nicht (nur) das Ziel, Kulturpflanzen zu zeigen.

Üppig grüner Indoor-Regenwald mit verschiedenen Arten tropischer Pflanzen und Farne, eingeschlossen in einer Glasstruktur.

Stattdessen versuchen viele Botanische Gärten, Lebensräume nachzubilden. So gibt es häufig einen Alpinbereich, in dem Pflanzen des Hochgebirges zu sehen sind. Oder es gibt Gewächshäuser mit Pflanzen aus dem tropischen Wald. Viele Botanische Gärten zeigen auch Wüstenregionen mit den dazugehörigen Pflanzen.

Im Botanischen Garten Bochum gibt es einen begehbaren Urwaldteich aus dem Tertiär, der Botanische Garten n Bielefeld zeigt eine Heidelandschaft und eine Reihe von Botanischen Gärten verfügt sogar über angegliederte Japanische Gärten, über die wir bereits gesprochen hatten.

So kann ein gut angelegter Botanischer Garten einem tatsächlich das Gefühl geben, sich tatsächlich in einer solchermaßen dargestellten Region zu befinden – und stellt damit eine weitere Möglichkeit dar, sich wieder mehr mit der Natur verbunden zu fühlen.

Japanische Gärten und Zimmer-Bonsais

Eine weitere japanische Idee, um eine tiefere Verbundenheit mit der Natur aufzubauen, stellen Japanische Gärten (Zen-Gärten) und auch Bonsais dar. Denn beide haben das Ziel, die “wilde, unberührte Natur” nachzubilden und so auf einer subtileren Ebene erlebbar zu machen.

Japanische Gärten (Zen-Gärten)

Traditionelle Japanische Gärten (Zen-Gärten) strahlen eine immense Ruhe aus. Wenn man in einen solchen Garten kommt, kann man fast nicht anders, als seinen ganzen Stress und seine Anspannung direkt am Eingang zurückzulassen.

Das ist nicht ganz zufällig so, denn Japanische Gärten folgen bestimmten Prinzipien, um eine friedliche und natürliche Atmosphäre zu schaffen.

Ruhiger japanischer Garten mit einem Pavillon mit Strohdach an einem klaren Teich, umgeben von üppigem Grün und Felsen, unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken.

So finden sich in so einem Garten viele wichtige Naturelemente symbolhaft wieder: Stein, Moos, Wasser und Bäume.

Steine stehen in einem Japanischen Garten häufig für Tiere oder natürlich auch für Berge. Als in Wellenform geharkter Kies stehen sie häufig auch für die Ozeane. Genau wie das Wasser, dass ebenfalls das Meer oder die Flüsse repräsentiert.

Moos steht für das Alter, denn Moos braucht relativ lange, um zu wachsen. Die Bäume in einem Japanischen Garten stehen häufig für das Leben insgesamt (Quelle: Wikipedia).

Das Zusammenspiel all dieser Elemente sorgt dafür, dass in einem solchen Japanischen Garten eine ganz besondere Atmosphäre entsteht, die uns häufig eine tiefe Verbundenheit zur Natur und zu den natürlichen Elementen spüren lässt.

Auch wenn ein Japanischer Garten unter ökologischen Gesichtspunkten vermutlich keine Bereicherung ist, spricht er damit eine zutiefst spirituelle Ebene in uns an.

Und: In vielen Städten in Deutschland gibt es solche Japanischen Gärten bzw. Zen-Gärten. Darunter zum Beispiel in Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bonn, Hannover, Trier, Wolfsburg und in vielen anderen mehr.

Bonsais

Bonsais – wörtlich übersetzt eigentlich einfach nur “Topfpflanze” – sind kleine, in Schalen gezogene Bäume, die kunstvoll gestaltet werden, so dass sie in Aussehen und Gestalt wie ihre großen Vorbilder im Wald aussehen.

Viele Menschen sagen, dass das eingeengte Heranziehen eines Baumes in einer Schale, das in Form Biegen des Stammes und das Beschneiden der Blätter eine Vergewaltigung der Natur des Baumes darstellen.

Obwohl ich diese Argumentation durchaus nachvollziehen kann, üben Bonsais trotzdem seit jeher eine Faszination auf mich aus. Erst recht, da ich ja ein Fan der original Karate Kid – Filmtrilogie war und bin. Denn dort kultiviert der weise Hausmeister und Karate-Meister Mr. Myagi in seiner Freizeit hingebungsvoll seine Bonsais.

Und: Mit dem Ficus-Bäumchen im Wohnzimmer haben weitaus weniger Menschen ein Problem, obwohl auch der Ficus eine Baumart ist und die beliebte Wohnzimmer-Pflanze damit eigentlich sogar ein Bonsai ist – auch wenn er nicht als solcher herangezogen wird.

In Japan, wo die eigentlich aus China stammende Kunst der Bonsai-Gestaltung weiterentwickelt wurde, steht das Heranziehen eines Bonsai-Baumes für den Respekt vor der Natur. Besonders wertvolle Bonsai können ein Alter von mehreren Hundert Jahren erreichen und werden von Genereation zu Generation weitergegeben.

Was mich an Bonsais aber besonders fasziniert, ist, dass sie es irgendwie schaffen, die Energie und das Gefühl von wilder, ursprünglicher Natur zu transportieren und auch zu Hause erlebbar zu machen.

Ein üppiges Bonsai-Wald Arrangement mit mehreren kleinen Bäumen mit grünen und gelben Blättern steht auf einer Holzplattform im Freien, umgeben von größeren Bäumen.

Bonsais gibt es als Einzelbäume oder wie hier in Form eines kleines Wäldchens

Deshalb stellen Bonsais eine weitere Möglichkeit dar, die Verbundenheit mit der Natur zu vertiefen, selbst wenn man keinen Zugang zu Wildnis und wirklich ursprünglicher Natur hat.

Allerdings: Die Massenbonsais aus dem Baumarkt werden weder dem Aspekt des Respekts vor der Natur gerecht, noch transportieren sie den Spirit der Natur in die eigenen vier Wände.

Einen Bonsai zu pflegen und zu gestalten, ist eine Aufgabe, die Ausdauer und Hingebung erfordert und obendrein viel Wissen über die Ansprüche der Pflanzen voraussetzt.

Damit sind Bonsais mit Sicherheit nicht für jeden geeignet, um mehr Verbundenheit mit der Natur aufzubauen. Aber wer weiß, vielleicht ist das Heranziehen eines “richtigen” Bonsais für dich genau der richtige Weg, um mit dem “Spirit of Nature” in Kontakt zu kommen.

Noch ein Lese-Tipp: Wenn du mehr über Bonsais erfahren willst, dann schau dir dieses Interview mit der Bonsai-Expertin Heike van Gunst (Chefredakteurin der Zeitschrift Bonsai Art) auf Zeit.de an. Dort kommen sogar die erwähnten Karate Kid – Filme zur Sprache!

Balkonien, Gärten, Homefarming

Viele Mietswohnungen verfügen über einen Balkon, manche Mehrfamilienhäuser haben vor oder hinter dem Haus einen kleinen Gemeinschaftsgarten. Auf dem Land hat fast jedes Haus einen eigenen Garten – alles Möglichkeiten, um mehr Natur in sein Leben zu bringen. Zwar keine wilde, ursprüngliche Natur, aber eben mehr Natur.

Und du weißt ja, im Zweifelsfall ist Eins immer größer als Null 😀.

Gartenglück

Solltest du das Glück haben, über einen eigenen Garten zu verfügen oder einen Schreber- bzw. einen Gemeinschaftsgarten zu besitzen, ist auch das natürlich eine tolle Möglichkeit, um in Kontakt mit der Natur zu kommen.

Wahrscheinlich brauche ich dir das auch nicht zu erzählen, falls du Gartenbesitzer bist.

Denn wie sagte es Germaine Baronin von Stael: “Die Pracht der Gärten hat stets die Liebe zur Natur zur Voraussetzung.”

Aber wusstest du, dass so ein Garten auch ein richtiges Paradies für die Natur und die Artenvielfalt sein kann? Die Kampagne “Tausende Gärten – Tausende Arten” hat das erkannt und möchte dazu beitragen, dass Balkone, Gärten und Firmengelände zu wichtigen Orten für die biologische Vielfalt werden.

Vielleicht ist das auch was für dich?

Balkonien

Aber selbst wenn du nicht in der glücklichen Situation bist, einen eigenen Garten zu haben, sondern “nur” einen Balkon in deiner Wohnung hast, hast du damit eine wunderbare Möglichkeit für mehr Natur in deinem Leben.

Genau dazu hat die Balkonexpertin Birgit Schattling jede Menge Tipps auf ihrer Website, dazu gibt es Bücher von ihr und sogar Online-Kurse für alle, die in das Balkongärtnern einsteigen wollen!

Ein naturnah gestalteter Balkon ist dabei aber nicht nur ein toller “Naherholungsraum” und Rückzugsort. Er kann für viele Tiere ein wichtiger Überlebensraum in der Stadt werden und ist so gleichzeitig eine Hilfe für mehr Artenvielfalt.

Und du kannst sogar dein eigenes Gemüse auf dem Balkon anbauen. Auch dazu hält Birgit Schattling viele Tipps und Ideen auf ihrer Website bereit.

Und das leitet mich auch gleich zum nächsten Punkt über: Homefarming.

Homefarming und Selbstversorger-Gärten

Als Kind hatten wir wie eigentlich alle unsere Nachbarn ein Gemüsebeet in unserem Garten. Dort gab es Kartoffeln, Karotten, verschiedene Kohlsorten und leckere Erdbeeren.

Der Supermarkt hinterm Haus sozusagen.

Was damals in den den 1970er – Jahren völlig alltäglich war, kehrt heute unter einem neuen Namen zurück: Homefarming.

Eine Person mit breitkrempigem Strohhut und Flanellhemd hält einen blauen Korb mit Gemüse in einem Garten, in den die Sonne scheint.

Das erste Mal bewusst ist mir der Begriff über den Weg gelaufen, als ich einen Bericht über die (mittlerweile ehemalige) Tagessschausprecherin Judith Rakers gesehen habe.

Die hat sich in der Nähe von Hamburg einen Traum verwirklicht und einen alten Hof gekauft. Dort baut sie ihr eigenes Gemüse an, hält Hühner und betreibt zusätzlich einen eigenen Online-Shop mit Produkten run ums Homefarming.

Judith Rakers hat den Begriff Homefarming in Deutschland populär gemacht. So populär, dass du bei Google lieber nach “Selbstversorger” suchen solltest, wenn du nach Infos über das Thema suchst.

Ob du es nun Homefarming oder Selbstversorger-Garten nennst, ist aber eigentlich auf egal.

Nicht egal ist, dass du für das Homefarming nicht unbedingt einen eigenen Garten brauchst. Du kannst Homefarming auch auf deinem Balkon betreiben (s.o.). Und viele Pflanzen kannst du sogar in der Wohnung ziehen (schau dir dazu diesen Artikel an).

In vielen Städten gibt es auch Urban Gardening – oder Urban Home Farming – Projekte, an denen du dich beteiligen kannst. Auch das stellt eine wunderbare Möglichkeit dar, in der Stadt mehr mit der Natur in Kontakt zu kommen.

Eine tolle Übersicht über solche Projekte findest du hier.

Offene Gärten Aktionen

In vielen Städten und Gemeinden gibt es auch einmal im Jahr sogenannte “Offene Garten” – Aktionen. Dabei öffnen Privatgartenbesitzer an einem Tag im Jahr ihren Garten für die Öffentlichkeit.

Sehr häfug sind die Gärten, die man an diesen Tagen besichtigen kann, wirklich sehenswert.

Dabei sind alle möglichen Formen von Gärten: Klassische Gärten, Landschaftsgärten, Bauerngärten und viele andere mehr.

Und: So ein “Gartentag” ermöglich es dir zumindest einmal im Jahr, einen Garten zu erleben, selbst wenn du keinen eigenen Garten zur Verfügung hast.

Du erfährst viel über das Gartenhandwerk, triffst neue Menschen und du kommst auf diese Weise mehr mit der Natur in Kontakt.

Zwar nicht mit ursprünglicher und unberührter Natur, aber im Zweifelsfall ist ein bisschen Natur immer besser als gar keine Natur.

Leider gibt es keine “Gesamtübersichtsseite” für solche Offene Gärten – Aktionen. Mein Tipp: Wenn du erfahren willst, wann und wo bei dir in der Nähe eine solche Aktion stattfindet, frage einfach Google nach “Offener Garten” + dein Wohnort.

Du wirst bestimmt fündig!

Zoos und Tiergärten

Zoos und Tiergärten sind sehr umstritten, ich möchte sie aber trotzdem nicht unerwähnt lassen. Gleichzeitig möchte ich aber direkt darauf hinweisen, dass du dir am besten selbst ein Bild darüber machen solltest, wie du zu dem Thema Zoos und Tiergärten stehst.

Denn Tierschützer weisen zu Recht darauf hin, dass viele Zoos auch heute noch ihren “Bedarf” an Tieren durch Wildfänge decken und dass im Rahmen der oft zitierten Arterhaltungsprogramme der Zoos nur sehr wenige Tiere tatsächlich ausgewildert werden.

Außerdem stellt auch die verbesserte Tierhaltung moderner Zoos mit vergrößerten und aufwändig gestalteten Gehegen keinen Ersatz für ein “Leben in freier Wildbahn” dar.

Eine Gruppe Giraffen steht zusammen in einem sonnigen, von Bäumen gesäumten Bereich, im Hintergrund grasen einige Zebras.

Zoos und Tiergärten sind umstritten, auch wenn die Gehege heute oftmals besser sind als früher

Man kann sich auch die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller ist, erst einmal die heimische Tierwelt kennenzulernen, bevor man sich mit den Tiere aus weit entfernten Ländern beschäftigt.

Andererseits gibt es Beispiele von Tierarten, die ausgestorben wären, wenn nicht einige Exemplare in Zoos überlebt hätten und mittels der bereits angesprochenen Arterhaltungsprogramme nachgezüchtet hätten werden können – darunter auch der europäische Wisent, das Gegenstück zum Amerikanischen Bison (der übrigens ebenfalls sein Überleben in Gefangenschaft gehaltenen Herden zu verdanken hat).

Und auch die ersten im Nationalpark Harz wieder angesiedelten Luchse stammen aus Gehegezuchten. Heute leben im Nationalpark über 100 Tieren (Stand: 2023), die die Hälfte der Gesamtpopulation der Luchse in Deutschland stellen.

Und:

Der Kontakt mit Tieren in Zoos und Tiergärten ist eben auch eine Möglichkeit, mehr Verbundenheit zur Natur aufzubauen – und das ist etwas, was unsere heutige Zeit dringend braucht.

Das geht allerdings nicht, wenn man – wie viele Besucher im Zoo es machen – von Gehege zu Gehege eilt, nebenbei eine Pommes isst und am besten noch an die Scheiben der Gehege klopft oder – noch schlimmer – Grimassen am Affenhaus macht.

Um wirkliche Verbundenheit mit den Tieren aufzubauen, musst du dir Zeit nehmen. Setz dich für eine oder zwei Stunden an das Gehege, am besten nicht nur einmal, sondern an verschiedenen Tagen, und beobachte die Tiere.

Mach dir immer wieder klar, dass du es auf der anderen Seite des Zauns wirklich mit individuellen, bewusst empfindenden Persönlichkeiten zu tun hast. Es ist eben nicht einfach nur “ein Bär”, der auf einem Felsen liegt – es ist ein Individuum mit ganz eigenen Persönlichkeitsmerkmalen – genau wie du und ich.

Wenn du auf diese Weise in Kontakt mit den Tieren trittst, kannst du im Laufe der Zeit eine wirkliche Verbundenheit aufbauen.

Ob und inwieweit der Besuch von Zoos und Tiergärten für dich eine Möglichkeit ist, um mehr Kontakt mit der Natur aufzubauen, musst du aber letztlich natürlich selbst entscheiden.

Fazit Teil 2

Auch in Deutschland gibt es Möglichkeiten, echte, tiefgehende Naturerfahrungen zu machen und die Natur zu einem wichtigen Bestandteil des eigenen Lebens zu machen.

Ausgehend von den Nationalparken, an denen man am ehesten noch relativ ursprüngliche Natur findet, haben wir verschiedene Möglichkeiten gesehen, mehr Natur ins Leben zu holen und die Verbindung zur Natur weiter zu vertiefen – mit all den vielen positiven Wirkungen, die eine solche Verbindung auf uns haben kann.

Im Teil 2 ging es dabei vor allem darum, wo man das machen kann. Im folgenden Teil 3 stelle ich dir verschiedene Möglichkeiten vor, wie du deine Verbindung zur Natur unabhängig vom jeweiligen Ort vertiefen kannst.