
Einen tropfenden Wasserhahn braucht verständlicherweise niemand zu Hause. Für die nachfolgende Übung ist aber genau der quasi essentiell.
Aus naheliegenden Gründen habe ich die Übung daher "Die Klempner-Meditation" getauft 😉.
Ziel der Übung ist es, einen kurzen Moment des Innehaltens und der Achtsamkeit im Alltagsablauf zu schaffen, um so mehr Ruhe und Gelassenheit in deinen Alltag zu bringen.
Du kannst diese Übung zum Beispiel wunderbar mit dem Zähneputzen verbinden, dann hast du gleich einen Anker, der dich im Alltag an die Übung erinnert.
Die Übung schafft aber nicht nur einen Moment der Achtsamkeit, sondern sie steigert auch die Wertschätzung des Wassers als unseren Lebensspender und stärkt gleichzeitig das Gefühl von Verbundenheit mit der Erde und dem Leben insgesamt, was dich zusätzlich zentrieren und in deine innere Mitte bringen kann.
Uns so funktionert´s:
- Drehe den Wasserhahn soweit auf, dass er langsam zu tropfen beginnt.
- Beobachte nun ganz genau die einzelnen Wassertropfen, die langsam aus dem Hahn kommen. Vielleicht willst du dich in die Hocke vor das Waschbecken setzen, um die Tropfen besser beobachten zu können.
- Achte darauf, wie die Tropfen langsam größer werden, sich schließlich ablösen und in das Becken hinunterfallen.
- Beobachte auf diese Weise 10 Wassertropfen von ihrer Entstehung bis zu ihrem Verschwinden im Becken ganz genau. Es gibt nur die Wassertropfen, alles andere ist in diesem Moment nicht wichtig.
- Schließe nun die Augen und fühle in die Wassertropfen hinein. Frage dich, woher die Tropfen gekommen sind und was das Wasser in diesen Tropfen bereits alles erlebt hat.
- Dazu ein kleiner Gedankenanstoß: Jeder Wassertropfen, den wir heute trinken, ist (wahrscheinlich) ca. 4,5 Milliarden Jahre alt, also so alt, wie die Erde selbst. Auf seinem Weg durch die Zeit hat das Wasser darin unendlich viel erlebt und möglicherweise ja auch sehr viel an Weisheit dabei in sich aufgenommen...
- Fühle nun in dich selbst hinein: Unser Körper besteht zu ca. 60 % aus Wasser. Und genau wie das Wasser der Wassertropfen, die du gerade beobachtet hast, ist auch das Wasser, das Bestandteil unseres Körpers ist, bereits 4,5 Milliarden Jahre alt.
- Mache dir klar, wie das Wasser in deinem Körper dich mit der gesamten Erde verbindet und dass du mit diesem Wasser die Weisheit der gesamten Erde in dir trägst.
- Gehe zum Abschluss der Übung in das Gefühl hinein, dass alles mit allem verbunden ist und dass das kein theoretischer Gedanke ist, sondern eine ganz praktische Beobachtung.
- Wenn du magst, kannst du dich bei dem Wasser für diese Erfahrungen bedanken. Und vergiss nicht, den Wasserhahn nach der Übung wieder komplett zuzudrehen 😉!
Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt die Übung etwas abgehoben. Ich war aber überrascht, wie intensiv sie wirken kann, wenn man sich denn dann tatsächlich auf die Übung einlässt.
Noch viel besser wird die Übung allerdings, wenn du sie nicht zu Hause mit einem tropfenden Wasserhahn, sondern in der Natur machst – z.B. nach einem Regenschauer, wenn der Regen von den Blättern der Bäume tropft.
Dann bekommt die Übung nochmal eine ganz andere Qualität und Tiefe.
Wie immer gilt: Einfach mal ausprobieren. Oder wie ein ehemaliger Kollege von mir immer sagte: “Nicht gemacht hab ich´s schon”!