Eine Person in einem traditionellen orangefarbenen Gewand, die durch einen sonnenbeschienenen Waldweg geht.

Im japanischen Zen-Buddhismus kennt man den Begriff “Shoshin”, der die geistige Haltung eines Anfängers beschreibt.

“Shoshin” bedeutet, mit einem Anfängergeist an etwas heranzugehen – also so, als ob man noch gar nichts von einer Sache wüsste.

Diese Haltung erweitert die eigenen Möglichkeiten, denn sie befreit uns von unseren Vorannahmen und Vorurteilen, die wir über etwas haben.

So erlauben wir uns, eine direkte und authentische Erfahrung mit etwas zu machen. Und das kann sehr bereichernd sein.

Diesen Anfängergeist kannst du auch wunderbar in der Natur und im Wald praktizieren.

Wenn du das nächste Mal im Wald bist, probiere das doch einfach mal aus:

  • Sammle dich für einen Moment und komme innerlich zur Ruhe. Vielleicht schließt du auch für einen Moment die Augen.
  • Stelle dir vor, du bist das erste Mal in deinem Leben in einem Wald. Vielleicht kommst du aus einer trockenen Wüstengegend und kennst Wald bisher nicht aus eigener Erfahrung.
  • Gehe in das Gefühl hinein, ein absoluter Anfänger in Sachen Wald zu sein. Du kennst keine der Pflanzen und keine der Tierarten an diesem Ort. Du hast noch nie in deinem Leben frische Waldluft gerochen, hast noch die das Lichtspiel der Sonne im Blätterdach gesehen.
  • Lass all deine Erfahrung, die du in deinem wirklichen Leben vielleicht mit dem Thema Wald gemacht hast, hinter dir.
  • Dann öffne die Augen und lass den Wald um dich herum auf dich wirken.
  • Blicke nach links und nach rechts, nach oben und nach unten. Was kannst du alles entdecken?
  • Vielleicht magst du auch ein paar Schritte weitergehen und dich umschauen. Was gibt es allen zu sehen? Benenne nichts davon, denn du weißt ja, du bist das erste Mal im Wald und kennst nichts von dem, was dich umgibt.
  • Schaue dich auch auf dem Boden um. Was kannst du dort entdecken? Nimmt die Erde in die Hand, berühre die Pflanzen – so als ob du das das erste Mal in deinem Leben machst.
  • Vielleicht willst du ja auch an der Erde oder den Pflanzen riechen? Vielleicht gibt es Blüten in deiner Nähe, deren Geruch du einatmen kannst?
  • Spüre, wie “Shoshin”, der Anfängergeist, deine Wahrnehmung intensiviert und schärft. Lass die Natur tief auf dich wirken.
  • Wenn es für dich gut ist, kehre wieder in dein “altes Ich” zurück. Wie hat die Erfahrung dich verändert?

Oft laufen wir so auf Autopilot, dass wir viele Dinge um uns herum gar nicht bemerken. Allzu schnell stumpfen wir ab und wundern uns, dass das Leben scheinbar seine Farbe verloren hat.

Mit dieser “Anfänger-Übung” können wir uns immer wieder diese Farbe ins Leben zurückholen.

Praktizieren die Übung am besten regelmäßig, um die Lebendigkeit deiner Erfahrungen draußen in der Natur immer wieder neu zu intensivieren.