
Anders als die Redewendung "Ein Tropfen auf den heißen Stein" vermuten lässt, kann ein einfacher Wassertropfen durchaus eine positive Wirkung auf uns haben, wie diese kleine Mikroübung beweist.
Die Übung "Tröpfchenweise" nutzt dafür die Macht mentaler Bilder.
Wasser steht für die meisten von uns für das Leben, für Reinigung und Frische. Wenn wir an Wasser denken, schwingen diese Qualitäten bei den meisten ganz automatisch im Unterbewusstsein mit.
Und das kannst du nutzen, um dich zu entspannen und stressauslösende Situationen etwas zu entschärfen.
Und das geht so:
- Sorge dafür, dass du an einem sicheren Platz bist und für einige Minuten nicht gestört wirst. Atme einige Male entspannt ein und aus. Wenn du möchtest, schließe für diese Übung deine Augen.
- Denke nun einmal an eine Situation, die Stress bei dir auslöst. Wo in deinem Körper spürst du diesen Stress? Vielleicht spürst du einen Druck auf den Schultern oder du merkst, wie dein Magen sich zusammenzieht.
- Fühle in diese Körperwahrnehmung hinein und beschreibe sie für dich in deinen Gedanken. Akzeptiere sie als Indikator für deine Stresswahrnehmung. Wir wollen in dieser Übung nicht das Stressgefühl "wegmachen", sondern es verwandeln. Dafür ist es aber wichtig, zu akzeptieren, was da ist.
- Halte jetzt eine deiner beiden Hände mit der Handfläche nach oben und stell dir vor, wie ein Wassertropfen auf deiner Handinnenfläche sitzt.
- Spüre das Gefühl, dass der Wassertropfen auf deiner Handfläche erzeugt, fühle die Frische und die Kühle, die von ihm ausgeht. Stell dir vor, wie die Sonnenstrahlen in dem Wassertropfen reflektiert werden.
- Vielleicht möchtest du dir auch vorstellen, wie du den Wassertropfen in deiner Handfläche ein wenig hin und her bewegst. Spüre, wie sich diese Bewegung auf deiner Hand anfühlt.
- Jetzt setze den Wassertropfen in Gedanken behutsam auf den oberen Teil deiner Körperwahrnehmung, in die du vorhin hineingespürt hast, als du dir deine Stresssituation vorgestellt hast.
- Lass nun den Wassertropfen in deinen Gedanken langsam diese Körperwahrnehmung hinunterlaufen. Spüre, wie der Wassertropfen dabei die Körperwahrnehmung reinigt und alles Störende und alle Anspannung mitnimmt und wegspült.
- Wenn der Wassertropfen unten in der Körperwahrnehmung angekommen ist, lass ihn in einen imaginären See in deinem Bauchraum fallen.
- Beobachte, wie sich all die Anspannung, die der Wassertropfen auf seinem Weg durch die Körperwahrnehmung mitgenommen hat, in dem See in deinem Bauch auflöst.
- Achte auch darauf, wie der Wassertropfen beim Hineinfallen in den See Wellen in diesem See erzeugt, die sich wie Entspannungswellen durch deinen ganzen Körper hindurch ausbreiten dürfen.
- Bleibe noch ein wenig in diesem Gefühl und öffne dann deine Augen, sofern du sie für die Übung geschlossen hattest.
Wie fühlt sich die Situation nun für dich an? Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass du dich bezogen auf die Situation leichter und klarer fühlst.
Natürlich ist das Problem durch die Übung nicht weg. Darum geht es auch nicht.
Aber diese kleine Übung kann deine (unterbewusste) Bewertung der Situation so verändern, dass du kreativer und entspannter mir ihr umgehen kannst.
So findest du eher Wege und Lösungen, um in Zukunft besser mit der Situation umgehen zu können.
Die Übung eignet sich auch hervorragend, um einfach mal zwischendurch einen klaren Kopf zu bekommen. Setze dafür den Wassertropfen in Gedanken einfach oben auf den Kopf und lass ihn durch die Stellen im Kopf herunterlaufen, die sich überarbeitet anfühlen.
Je besser es dir dabei gelingt, dir den Wassertropfen und die damit verbundene Frische und Kühle vorzustellen, desto wirkungsvoller ist die Übung.
Übrigens: Du kannst die Übung natürlich auch mehrmals hintereinander mit dem gleichen Problem bzw. der gleichen Körperwahrnehmung durchführen.
Denn wie heißt es so schön: "Steter Tropfen höhlt den Stein".