Reconnect with Nature

Verbundenheit mit der Natur spüren

Rückverbindung mit der Natur?

Mit Anfang 20 hatte ich einmal ein sehr eindrückliches Erlebnis, als ich morgens von einer Party mit dem Fahrrad nach Hause gefahren bin.

Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch die Bäume des Waldes durch den ich gerade fuhr, als ich plötzlich ein Gefühl der Verbundenheit mit der Natur um mich herum in mir gespürt habe, das so intensiv war, das es mich fast vom Fahrrad gehauen hat.

Noch heute, über 30 Jahre später, kann ich die Kraft hinter diesem Gefühl in mir spüren.

Und das, obwohl der Wald, durch den ich damals gefahren bin, eigentlich nicht einmal besonders schön war. Nur ein Forst wie jeder andere.

Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie sehr die Natur zu einer wahren Kraftquelle in unserem Leben werden kann, wenn wir eine tiefe Verbindung zu ihr aufbauen können.

Sich wieder mit der Natur zu verbinden, die Verbundenheit mit der Natur und dem Leben wieder zu spüren, ist daher sozusagen der rote Faden, der sich durch alles hier bei Flowfeather zieht.

Krisenhafte Zeiten

Wie leben in einer sehr turbulenten Zeit, die von neuen Entwicklungen in allen Bereichen der Gesellschaft, von Umbrüchen und Unsicherheiten und mehr und mehr auch von Krisen und einem immer aggressiver werdenden gesellschaftlichen Klima gekennzeichnet ist.

Dazu kommen Klimawandel, Abholzung der Tropenwälder, Verschmutzung der Weltmeere, Artensterben, Inflation, Mietexplosion, Arbeitsstress und Sorgen um den Arbeitsplatz, bröckelnde Beziehungsgefüge, Einsamkeit, Isolation und eine scheinbar immer unsicherer werdende Zukunftsperspektive.

Auch wenn es natürlich sinnvoller ist, sich auf die vielen positiven Dinge zu fokussieren, die es (zum Glück) ja auch gibt, sind diese Entwicklungen da und lassen sich nicht einfach wegleugnen.

Und das wäre auch nicht gut.

Viel besser ist es, sich einmal zu fragen, welche Gründe es dafür geben könnte, dass wir heute all diese Probleme haben, mit denen wir uns täglich herumschlagen – global und jeder einzelne von uns in seinem Alltag.

Wie sind wir eigentlich dahin gekommen, wo wir heute stehen?

Natürlich haben gesellschaftliche Entwicklungen immer viele Gründe, die in der Summe zu irgendeinem Ist-Zustand führen.

Und zu vielen davon kann ich nichts sagen, weil mir dazu einfach die Fachkenntnisse fehlen.

Ich glaube aber, dass ein wesentlicher Grund für unsere heutigen Probleme die Überbetonung des Verstandes und des rationalen Denkens in unserer modernen Welt ist.

Eine Gruppe von Menschen sitzt vor einem Computerbildschirm.

Wir bilden uns viel auf die Errungenschaften unseres Verstandes und der modernen Wissenschaft ein. Und unbestreitbar haben Wissenschaft und Vernunft unser Leben in vielen Bereichen sehr viel besser gemacht.

Technische Errungenschaft erleichtern uns heute viele Dinge, die früher mühsam, zeitraubend oder sogar gar nicht möglich waren.

Ich würde mich selbst sogar als ziemlich technikaffin bezeichnen und finde die aktuellen technischen Entwicklungen vor allem auch im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie wirklich spannend.

Das alles haben unser Verstand und unser rationales Denken möglich gemacht.

Aber wir bezahlen einen hohen Preis für die “Alleinherschaft” des Verstandes.

Genau diese Problematik hat bereits im Jahr 1988 ein Kongress in Hannover mit dem Namen “Geist und Natur” aufgegriffen.

Geist und Natur

Auf diesem Kongress trafen sich Vertreter der Wissenschaft (Physiker, Chemiker, Physiologen, Psychologen) und Vertretern christlicher und fernöstlicher Religionen (Buddhismus, Taoismus, Shintoismus) sowie Philosophen, um die Notwendigkeiten und Möglichkeiten einer ganzheitlichen Sicht auf die Welt zu diskutieren.

Aus den verschiedenen dort gehaltenen Vorträgen und Podiumsdiskussionen ist ein Buch entstanden, das von Hans-Peter Dürr und Walther Ch. Zimmerli herausgegeben wurde und das ich in meiner Jugend geradezu verschlungen habe.

Verändert hat sich durch den Kongress allerdings nicht viel an unserer Weltsicht.

Über 30 Jahre später sehen wir den Verstand in unserer westlichen Gesellschaft noch immer als Hauptinstanz und als Entscheidungsgrundlage für unser Leben und unser Handeln als Gesellschaft.

Und klar, der Verstand ist unbestreitbar ein wichtiges Werkzeug, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Darin ist er wirklich gut.

Problematisch wird es aber, wenn wir anfangen (bzw. fortfahren), den Verstand als einzige Instanz in unserem Leben zu betrachten und die stille Stimme unseres Herzens – die intuitive Weisheit in uns – immer mehr ausblenden.

Dann kommen wir aus dem Gleichgewicht, weil einfach der Gegenpol zu unserem rationalen Denken fehlt.

Koyaanisqatsi – Leben aus dem Gleichgewicht

Ein Film, der das schon in den 1980er-Jahren gesehen und aufgegriffen hat, ist der vom amerikanischen Regisseur Godfrey Reggio in Zusammenarbeit mit Francis Ford Coppola produzierte experimentelle Film Koyaanisqatsi.

Koyaanisqatsi stammt aus der Sprache der Hopi-Indianer und bedeutet so viel wie “Leben aus dem Gleichgewicht”.

Der Film kommt völlig ohne Audiokommentare und Sprache aus (mit Ausnahme des Wortes Koyaanisqatsi selbst) und besteht im Wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Szenen aus unserer modernen Welt, die in Kontrast zu Szenen aus der Natur gesetzt werden, untermalt von einer von Philipp Glass komponierten düsteren Musik.

Der Film fängt sehr bedrückend (und beeindruckend) die Hektik, Entfremdung und Zerstörung der Welt durch den Menschen ein und hat auf mich einen bleibenden Eindruck hinterlassen, nachdem ich ihn mit 17 oder 18 Jahren das erste Mal gesehen habe.

Natürlich muss man den Film vor dem Hintergrund der Zeit sehen, in der er entstanden ist. Und natürlich gibt es auch eine andere Seite – nicht alles, was Menschen machen, ist schlecht und es gibt viele positive Nachrichten, auch, wenn es um den Umgang der Menschen mit der Umwelt geht.

Dennoch:

Der Film zeigt, wohin eine rein rational und vom Verstand geprägte Sicht auf die Welt führt, wenn es nicht ein Gegengewicht in Form von Intuition, Innenschau und Herzensweisheit gibt – alles Kennzeichen vor allem (aber nicht nur) fernöstlicher Weisheitslehren, die nicht ohne Grund heute sehr populär bei uns sind.

Und:

Der Trend, dass sich der Mensch immer weiter von der Natur und damit von seiner eigenen Natur entfernt, setzt sich auch heute immer weiter fort. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie von Dr. Victor Cazalis, Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung.

Cazalis hatte dazu in einer Metaanalyse 18 internationale Studien zum Thema Naturerfahrung ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass städtische Naturflächen, wie Parkanlagen oder Stadtwälder, mehr und mehr abnehmen und dadurch immer mehr Menschen immer seltener Naturerfahrungen erleben.

Was uns am meisten fehlt

Damit der Verstand Probleme lösen kann, untergliedert und zerteilt er das, mit dem er sich befasst, um anschließend die Einzelteile zu analysieren und eine Lösung zu finden.

Er unterscheidet zwischen sich und dem, was er untersucht und trennt zusätzlich auch das, was er untersucht, immer weiter in seine Einzelteile auf.

Das funktioniert auch sehr gut, zerstört aber etwas Wesentliches, nämlich das Gefühl von Verbundenheit.

[…] derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen“, lässt J.R.R. Tolkien den Zauberer Gandalf in seinem “Herr der Ringe” sagen.

Ich glaube, dass es genau dieses Gefühl von Verbundenheit ist, das uns heute am meisten fehlt.

Verbundenheit mit uns selbst und unserem “inneren Kompass”, Verbundenheit mit unserer Gefühlswelt, Verbundenheit mit dem, was uns im Innersten ausmacht (unserem eigentlichen Wesen), Verbundenheit untereinander und Verbundenheit mit dem Leben als Ganzem.

Einschub: Wie der Verstand die Macht übernahm

Bereits in frühen Kulturen findet man den Gedanken der Trennung von Leib und Seele. Bei den Griechen war es die Seele, die dem Körper das Leben einhauchte.

Der französische Philosoph René Descartes sah die Seele allerdings nicht als Lebensspender, sondern als den Träger des Denkens und des Mentalen, also des Verstandes, wodurch der Verstand plötzlich eine ganz neue Position bekam.*

Und da nur der Mensch zu höheren Verstandesleistungen fähig ist, besaß für Descartes auch nur der Mensch eine Seele.

Pflanzen und auch Tiere waren für ihn “göttliche Automaten”.

Schmerzensschreie von Tieren waren nach Descartes nichts anderes als automatisiert ablaufende Reaktionen auf äußere Reize – ähnlich wie eine Autohupe in heutiger Zeit, die ertönt, wenn man darauf drückt, was aber nicht bedeutet, dass das Auto Schmerzen hat.

Descartes und seine Sichtweise auf den Mensch und die Natur hat unsere westliche Kultur tief geprägt und zieht sich bis heute durch viele Bereiche unseres Denkens und Handelns.

 

*Viel besser und auch wesentlich ausführlicher beschreibt die Philosophin Anne Sophie Meincke von der Universität Wien die philosophischen Hintergründe unserer heutigen Sicht auf die Natur. Ihren Artikel dazu findest du hier (die Seite enthält leider viele Werbebanner und möchte die Erlaubnis zum Senden von Benachrichtigungen die du aber mit einem Klick verweigern kannst).

Descartes Sichtweise auf die Natur, die unser westliches Denken so tief geprägt hat, hat auch dazu geführt, dass wir die Verbundenheit mit der Natur immer weiter verloren haben.

Die Natur gilt in vielen Kulturen als Quelle von Weisheit und wurde und wird tief verehrt. Spätestens mit Descartes verliert die Natur diese Stellung und wird zu einer bloßen Ansammlung seelenloser Materie, die man nach Belieben nutzen kann.

Unsere heutige Einstellung zur Natur und die oft fehlende Verbundenheit mit der Natur sind in meinen Augen ein Ausdruck dieser von Descartes im 17. Jahrhundert entwickelten Sichtweise.

Und auch das “Macht euch die Erde untertan” der christlichen Religion hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir die Verbindung zur Natur mehr und mehr verloren haben.

Bonifatius und die Donar-Eiche

Ausdruck einer solchen Sicht auf die Natur ist eine Begebenheit, die sich im Jahr 723 n. Chr. ereignet hat:

Der Heilige Bonifatius ist im Begriff die heilige Donar-Eiche der Germanen zu fällen

Der Heilige Bonifatius ließ in diesem Jahr unter Soldatenschutz und vermutlich unter heftigen Protesten der anwesenden Germanen die Donar-Eiche fällen, eine dem Gott Donar gewidmete, wahrscheinlich sehr alte und mächtige Eiche, die eines der wichtigsten Heiligtümer der Germanen darstellte – um zu zeigen, dass der christliche Gott mächtiger sei als der germanische Gott Donar.

Für die Germanen waren Bäume heilig. In ihrer Kultur war es ein Baum, der die Achse der Welt bildet (der Weltenbaum Yggdrasil).

Irgendwie erinnert mich diese Geschichte immer an den Angriff auf den Heimatbaum im Film Avatar, einem meiner Lieblingsfilme.

Und sie zeigt eine Entfremdung von der Natur, die sich bereits seit dem frühen Mittelalter immer weiter durch das Denken des Abendlandes gezogen hat und die dazu geführt hat, dass wir uns heute immer mehr auch von unserer eigenen Natur entfremdet haben.

Denn die ist untrennbar mit der Natur um uns herum verbunden. Wir sind nicht nur ein Teil der Natur, wir sind Natur.

Und deshalb glaube ich auch, dass genau hier die Lösung unserer heutigen Probleme liegt.

Wenn wir wieder mehr Verbundenheit zur Natur aufbauen, geben wir auch unserer eigenen Natur wieder mehr Raum, schaffen das notwendige Gegengewicht zur Überbetonung des Verstandes und kommen so auch selbst wieder ins Gleichgewicht.

Deshalb ist die Rückverbindung mit der Natur ein guter erster Schritt für mehr Balance im Leben

Das können wir im Prinzip auch erreichen, indem wir lernen, unseren Verstand als das zu sehen, was er ist: Ein Werkzeug zum Lösen von Problemen. Aber eben kein “Ratgeber für alle Lebenslagen”.

Wenn es aber eigentlich “nur” darum geht, ein Gegengewicht zur Überbetonung des Verstandes zu schaffen, warum ist dann die Verbindung zur Natur dabei so wichtig? Könnte ich nicht einfach auch ganz allgemein daran arbeiten, mehr auf meine innere Stimme und meine Intuition zu hören?

Ja, das geht.

Und Methoden wie die Achtsamkeitslehre oder verschiedene Meditationstechniken, bei denen es darum geht, die Identifikation mit dem Denken (dem rationalen Verstand) aufzuheben, setzen genau da an.

Aber in der Natur fällt es uns meist sehr viel leichter, uns von den alltäglichem Gedankenchaos im Kopf zu verabschieden und wieder in Kontakt mit der intuitiven Weisheit in uns selbst – unserer inneren Stimme – zu kommen.

Und: Sobald wir der intuitiven Weisheit in uns wieder mehr Raum geben, fühlen wir uns automatisch wieder mehr mit allem um uns herum und auch mit der Natur verbunden.

“Es funktioniert in beide Richtungen: Mehr Verbundenheit mit der Natur führt dazu, dass wir in Kontakt mit unserer eigenen Natur – unserer inneren Stimme und der intuitiven Weisheit in uns selbst – kommen. Und mehr Kontakt mit unserer eigenen Natur führt dazu, dass wir uns wieder mehr mit der Natur verbunden fühlen.”

Es funktioniert in beide Richtungen:

Mehr Verbundenheit mit der Natur führt dazu, dass wir in Kontakt mit unserer eigenen Natur – unserer inneren Stimme und der intuitiven Weisheit in uns selbst – kommen.

Und mehr Kontakt mit unserer eigenen Natur führt dazu, dass wir uns wieder mehr mit der Natur verbunden fühlen.

Unser Körper hat eben nicht vergessen, dass er ein Teil der Natur ist, auch wenn der Verstand das gerne aus dem Blick verliert.

Flowfeather Feather, single

“Ich ging nur für einen kurzen Spaziergang hinaus und beschloss schließlich, bis zum Sonnenuntergang zu bleiben, denn ich stellte fest, dass das Nach-draußen-Gehen eigentlich ein Nach-innen-Gehen war.”

John Muir

In der Wissenschaft spricht man auch von der Biophilie-Hypothese und meint damit, dass wir rein aus unserer Evolution heraus schon eng mit der Natur verbunden sind.

Und genau das spüren wir, wenn wir in der Natur sind.

Deshalb fühlen wir uns in der Natur so gut und deshalb sind wir in der Natur automatisch mehr bei uns und weniger in unserem Verstandesdenken gefangen.

Wenn wir in der Natur sind, kommen wir wieder mit unserer eigenen Natur in Kontakt.

Und deshalb ist die Rückverbindung mit der Natur ein guter erster Schritt – nicht nur für mehr Achtsamkeit im Leben, sondern für viele tiefgreifende Veränderungen, die möglich werden, wenn wir eine tiefe und starke Verbindung zur Natur aufbauen.

Der Kontakt mit der Natur kann unser Leben auf vielen Ebenen bereichern

Das alles mag sich ja erstmal gut anhören. Aber vielleicht fragst du dich, was du ganz konkret davon hast, wenn du der Natur mehr Raum in deinem Leben gibst und wieder mehr Verbundenheit mit der Natur aufbaust?

Was genau wird anders, wenn wir mehr in der Natur sehen als eine Ressource, die wir für uns nutzen können?

Warum lohnt es sich, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, die Natur zu seinem Freund (oder zu seiner Freundin) zu machen?

“Making friends with nature”, wie Serge Kahili King es oft formuliert.

Es lohnt sich aus vielen Gründen. Hier einmal ein paar davon:

  • Deine Gesundheit kann sich verbessern
    Viele Studien bestätigen die positiven Wirkungen des Aufenthaltes in der Natur auf unsere Gesundheit (einige Studien habe ich dir hier verlinkt).
  • Du kannst deinen Stresslevel senken
    Auch hierfür gibt es viele Studien, in denen gezeigt werden konnte, dass sich z.B. die Konzentration von Stresshormonen durch den Aufenthalt in der Natur verringerte.
  • Du kannst gelassener mit Alltagsproblemen umgehen
    In der Natur können wir wieder zur Ruhe kommen und neue Kraft schöpfen, so dass wir im Alltag gelassener bleiben können.
  • Du kannst dich besser konzentrieren und Aufgaben fokussierter erledigen
    Verschiedene Studien konnten auch zeigen, dass sich bei den Versuchsteilnehmern kognitive Fähigkeiten verbesserten, so dass sie konzentrierter und effektiver Aufgaben lösen konnten.
  • Deine Laune kann sich verbessern
    Wer sich mit der Natur verbunden fühlt, kann sich jeden Tag über kleine Alltags-Erlebnisse freuen. Der Kolkrabe, den man in den Bäumen rufen hört, das Sonnenlicht, das durch die Blätter eines Baumes im Park scheint oder ein Eichhörnchen, das man eine Zeit lang beobachtet – solche Dinge können dazu beitragen, mehr Lebensfreude zu entwickeln und gutgelaunt durch den Tag zu gehen, wenn man sich mit der Natur verbunden fühlt.
  • Verbundenheit mit der Natur kann dein Selbstwertgefühl stärken
    Wer sich mit der Natur verbunden und von der Natur geliebt fühlt, ist nicht so sehr auf die Anerkennung von anderen angewiesen. Er weiß, dass er geliebt wird – von den Bäumen, den Bergen, den Tieren und der gesamten Natur.
  • Du kannst dich wieder mit deiner Intuition verbinden
    Wer sich mit der Natur verbunden fühlt, kann die Erfahrung machen, dass er dadurch auch mit seiner eigenen Natur tiefer verbunden ist. So haben wir einen besseren Zugang zu der intuitiven Intelligenz unseres Herzens.
  • Du kannst in der Natur einen wirklichen Freund finden, der dich bei vielen Problemen unterstützen kann
    Ich habe schon oft die Natur um Rat gefragt, wenn ich mit einer Sache nicht weitergekommen bin. Und jedes Mal hatte ich schon nach kurzer Zeit eine neue Idee, eine Inspiration oder einen Gedanken, der mich weitergebracht hat. Das ist mir mittlerweile so oft passiert, dass ich davon überzeugt bin, dass es die Spirits der Natur – die beseelte Seite der Natur jenseits des Materiellen – waren, die mich unterstützt haben.
  • Die Verbundenheit mit der Natur kann dich hoffnungsvoll stimmen
    Viele Menschen, die einen Zugang zur Natur haben, machen sich große Sorgen um die Natur und die Erde als Ganzes. Zu erkennen, dass die Natur beseelt ist und eigene Mittel und Wege hat, sich zu schützen und auf sich verändernde Bedingungen zu reagieren, kann sehr viel Trost spenden und Hoffnung geben.

Eine ganzheitliche Sicht auf die Welt

Gerade auch die letzten Punkte in meiner Aufzählung oben sind für uns westlich geprägte Menschen teilweise schwer nachzuvollziehen. Andere Kulturen haben da oft einen ganz anderen Blick auf die Welt und das Leben.

Ein Blick, von dem wir sehr viel lernen können.

Es macht allerdings in meinen Augen auch keinen Sinn, die Ansichten anderer – meist ursprünglicher – Kulturen einfach zu kopieren und blind zu übernehmen (was auch eine Form der kulturellen Aneignung wäre).

Was wir in unserer heutigen Zeit aber dringend brauchen, ist eine moderne Form von Spiritualität, die sich von diesen anderen Sichtweisen auf die Welt und das Leben inspirieren lässt, ohne gleichzeitig unser rationales Denken komplett auszublenden.

Eben ein Gleichgewicht zwischen Kopf und Herz, zwischen Geist und Natur, um mit dem Titel des erwähnten Kongresses zu sprechen.

Dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt die moderne Physik. Die lässt nämlich nicht nur Raum für eine Sichtweise jenseits des rein Materiellen, sie betont sogar geradezu die Rolle des Bewusstseins bei der Entstehung von dem, was wir unsere Realität nennen.

Und kommt damit vielen überlieferten Weisheiten der verschiedensten Kulturen sehr nahe. Denn ein solches Bewusstsein ist nichts anderes, als das, was man Spirit, Geist oder Seele von etwas nennen könnte.

Shinkansen – Der schnellste Zug der Welt

Der japanische Shintoismus, eine der beiden heutigen Hauptreligionen Japans, sieht zum Beispiel ähnlich wie die hawaiianische Huna-Philosophie alles auf dieser Welt als beseelt an – auch Dinge, die von Menschen geschaffen wurden.

In einem Fernsehbeitrag habe ich einmal gesehen, wie die beiden Chefingenieure des berühmten japanischen Hochgeschwindigkeitszugs “Shinkansen” – immerhin der schnellste Zug der Welt – vor einer Testfahrt an einem eigens dafür im Zug eingerichteten kleinen Altar ein Gebet an den Geist des Zuges gerichtet haben.

Vielleicht sind die japanischen Ingenieure nicht “von gestern”, vielleicht sind sie einfach nur ihrer Zeit voraus. Oder besser: unserer Zeit voraus, denn in Japan ist ein solcher Zugang zur Technik alltäglich und normal.

Nun muss man nicht unbedingt gleich einen Altar aufbauen, um damit seinen Fernseher oder seinen Computer gütig zu stimmen 😉.

Aber:

Ein spirituelles Weltbild, in dem nicht nur Menschen, Tiere und Pflanzen, sondern die gesamte Schöpfung, inklusive der Berge, Flüsse, Wolken und des Windes, Ausdruck eines intelligenten, kommunikativen Bewusstseins ist, würde mit Sicherheit zur Lösung vieler unserer heutigen Probleme beitragen.

Und:

Ein solches Weltbild steht nicht im Widerspruch zu dem, was die (moderne) Wissenschaft über die Welt zu sagen hat.

Die New Yorker Erklärung

Passend dazu haben erst letzten Monat (April 2024) mehrere Dutzend führende Wissenschaftler die “New Yorker Erklärung zum Bewusstsein von Tieren” (Originaltitel “The New York Declaration on Animal Consciousness”) veröffentlich.

Danach muss nach aktuellem Forschungsstand davon ausgegangen werden, dass eine Reihe von Tieren über ein Bewusstsein verfügen, denen man das bisher nicht zugesprochen hatte (Descartes lässt grüßen!).

Die Studien, auf die sich die Erklärung bezieht, untersuchten vor allem den Aspekt des Bewusstseins, der sich auf die Selbstwahrnehmung bezieht. Also: Haben Tiere eine – wie auch immer geartete – Vorstellung davon, dass sie “da” sind. Nehmen sie also ihre Umwelt bewusst als Individuum war?

Für Säugetiere und Vögel stellen die Wissenschaftler fest, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach über ein solches Bewusstsein verfügen. Für Amphibien (zum Beispiel Frösche, Salamander usw.), Reptilien (Echsen, Krokodile) und Fische besteht laut den Forschern eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit dafür. Und selbst für einige Insekten, Krebse und Kopffüßer (Tintenfische) sehen die Forscher deutliche Hinweise darauf, dass sie ihre Welt bewusst wahrnehmen.

Die Wissenschaftler fordern deshalb ein Umdenken im Umgang mit Tieren.

Die Erklärung bezieht sich zwar “nur” auf die Tierwelt, aber sie zeigt doch, wie sehr sich die wissenschaftliche Sicht auf die Welt in den letzte Jahre und Jahrzehnten verändert hat – und vermutlich weiter verändern wird.

Freche Vogelkinder

Als ich meine Biologie-Diplomarbeit in Nordschweden geschrieben habe, habe ich dort das Verhalten von Unglückshähern beobachtet und ausgewertet.

Die heißen so, weil sie immer schon in besonders strengen Wintern weit nach Süden ausgewichen sind. Für die Menschen im Süden Schwedens wurden die eigentlich schönen Vögel so zu Unglücksboten.

Nun habe ich für meine Diplomarbeit verschiedene Familien der Vögel über viele Stunden und Tage beobachtet. Bis dahin war für mich eine Amsel eben eine Amsel und ein Bussard eben einer von vielen Bussarden.

Während der Arbeiten zu meiner Abschlussarbeit habe ich aber etwas anderes begriffen. Tatsächlich war jeder einzelne dieser Vögel ein Individuum. Jeder dieser Vögel hatte eine ganz individuelle Persönlichkeit!

Da gab es ein Geschwister, das sehr ängstlich war. Der Kleine blieb immer dicht bei den anderen und schaute ständig um sich. Ein anderer war richtig frech. Ständig flog er herum, nur um sich dann ganz unerwartet neben eines seiner Geschwister zu setzen und ihnen an den Federn zu ziehen. Um dann schnell wieder abzuhauen.

Bei meinem Praktikum im Wolf Park in den USA hatte ich solche unterschiedlichen Charaktere auch schon bei den Wölfen beobachtet. Ich hatte damals das Gefühl, es wirklich mit “Personen” zu tun zu haben (anders als beispielsweise bei Hunden, bei denen es ja auch unterschiedliche Charaktereigenschaften gibt).

Tiere (vor allem Wildtiere) sind eben nicht einfach nur beliebig austauschbare Exemplare einer Tierart und wir sollten daher unser Bild von der Tierwelt im Sinne der New Yorker Erklärung noch einmal überdenken.

Die New Yorker Erklärung zeigt, dass “Bewusstsein” nichts ist, was nur auf uns Menschen beschränkt ist.

Häufig verwechseln wir nämlich unser rationales Denken mit Bewusstsein. Und glauben dann, dass wir die einzigen sind, die über ein Bewusstsein verfügen.

(Nebenbei bemerkt: Die Forschung findet immer mehr erstaunliche Beispiele und Belege für rational-intelligentes Verhalten auch in der Tierwelt).

Schnell ist man dann an dem Punkt, an dem man die Natur außerhalb des Menschen nur als eine Ressource sieht, die man nach Belieben nutzen kann.

Aber “Bewusstsein” ist eben mehr.

In meinem Augen ist Bewusstsein das, was man als Schöpfergeist bezeichnen könnte. Und der spiegelt sich in allem wieder, was “geschöpft” wurde.

Also in der gesamten Natur.

Eine Erkenntnis, die schon seit Tausenden von Jahren fester Bestandteil des überlieferten Wissens indigener Kulturen ist.

Und die die Grundlage dafür ist, dass eigentlich alle indigenen Kulturen die Erde und die gesamte Schöpfung als heilig betrachten und sich eng mit ihr verbunden fühlen.

Verbundenheit, aber wie?

Bleibt die Frage, wie finde ich zu mehr Verbundenheit mit der Natur und damit zu einer ganzheitlichen und gleichzeitig modernen Sicht auf die Welt?

Ich glaube, dass es grundsätzlich zwei Wege gibt, um wieder mehr Verbundenheit zur Natur aufzubauen und sein Leben so zu bereichern.

“The Great Outdoors”

Der einfachste: Sich in einer großartigen Naturlandschaft aufhalten.

Denn dann spüren wir ganz unmittelbar die Kraft und die Energie der Natur. Und fühlen und ganz automatisch mit der Natur um uns herum verbunden.

Eine ruhige Landschaft mit einem Fluss, der sich durch einen grünen Wald schlängelt, mit Bergen im Hintergrund unter einem bewölkten Himmel.

Es ist, als ob die Natur selbst dafür sorgen würde, dass wir uns mit ihr verbunden fühlen.

Für mich sind die Nationalparks der USA und Kanadas, die Landschaften Islands und Grönlands mit ihren Wasserfällen und Vulkanlandschaften oder die Fjorde Norwegens und Neuseelands Beispiele für solch beeindruckenden Landschaften.

Einige davon durfte ich besuchen, andere kenne ich nur von Bildern.

Aber manchmal reicht es auch schon aus, wenn ich mir einfach nur die Bilder von solchen Landschaften anschaue, um die Energie dahinter zu fühlen.

Das ist auch der Grund dafür, dass es hier bei Flowfeather viele solcher Bilder gibt.

Denn auch dadurch kann man seine Verbundenheit mit der Natur ein Stück weit stärken, auch wenn das natürlich kein Ersatz dafür sein kann, sich wirklich in der Natur aufzuhalten.

In Deutschland haben wir leider kaum (noch) solchermaßen beeindruckende Landschaften. Der Eibsee, Teile des Isarlaufs, Bayerischer Wald, Kellerwald und Reinhardswald (noch, da auch hier ein Windpark entstehen soll) oder einige Bereiche der Ostseeküste kommen dem vielleicht noch am nächsten.

Offen für die Good Vibes

Aber es gibt eine zweite Möglichkeit, mehr Nähe zur Natur aufzubauen, die wir auch in unserer Kulturlandschaft nutzen können, um uns mit der Natur verbunden zu fühlen.

Eine Möglichkeit, die von uns selbst ausgeht.

Morgentau glitzert auf grünem Gras.

Wenn wir nämlich innerlich offen für die Good Vibes der Natur werden, dann können wir uns auch dann mit der Natur sehr verbunden fühlen, wenn wir sie “nur” im kleinen Maßstab erleben.

Dann kann schon das Sonnenlicht, das sich in einem Tautropfen spiegelt, ein Welle der Kraft und Energie in uns freisetzen.

Genauso ging es mir damals ja bei meinem Erlebnis mit dem Fahrrad.

Ich war ja schon etliche Kilometer gefahren, als ich an diese Stelle kam. Das beständige Treten mit den Pedalen kann eine sehr meditative Tätigkeit sein und hatte bei mir damals wohl dazu beigetragen, dass ich innerlich offen für das Erlebnis war.

Dafür muss man sich aber nicht unbedingt aufs Fahrrad setzen 😀. Es gibt eine Vielzahl von Techniken, Achtsamkeits-Übungen und Selbstcoaching-Tools, die du nutzen kannst, um diese innere Offenheit zu schaffen.

Und letztlich ist das genau das, worum es hier bei Flowfeather geht.

Deshalb findest du hier viele solcher Übungen, Techniken und Tools, mit denen du die Voraussetzungen dafür schaffen kannst, diese Verbundenheit mit der Natur zu spüren.

Um so entspannter, kraftvoller und – im wahrsten Sinne des Wortes – inspirierter zu leben.

Und zwar auch dann, wenn du nicht die Möglichkeit hast, an einem einsamen Bergsee zu stehen, sondern vielleicht “nur” die Natur im Stadtpark um die Ecke zur Verfügung hast.

Übrigens:

Eine wundervolle Möglichkeit, auch hier bei uns seine Verbindung zur Natur zu vertiefen, bietet das Waldbaden (Shinrin-yoku), über das ich ja schon an der einen oder anderen Stelle geschrieben habe.

Probiere das doch einfach mal aus!